Lesezeit 5 Min
Sport

„2012 bin ich neu geboren worden…“

Vor ein paar Monaten kannten Laura Siegemund nur Insider. Seit der Finalteilnahme von Stuttgart kennt die ganze Tenniswelt sie. Wer ist die Aufsteigerin? Und warum ist sie plötzlich mit 28 Jahren so stark?

By robbiesaurus from Smithtown, NY, USA (Laura Siegemund (GER)) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons
von
Andrej Antic
Lesezeit 5 Min
Sport

Sie ist irgendwie anders. Wenn man lange als Reporter auf der Tour ist, gleichen sich die Begegnungen. Ähnliche Fragen, ähnliche Antworten. Wer Laura Siegemund trifft, bekommt erst einmal einen Einlauf. „Wie tippst du denn? Mit einem Finger, das kann man ja nicht mit ansehen. Gib’ mal her.“ Sie schnappt sich das Handy des Gesprächspartners, hämmert ihre E-Mail-Adresse schwindelerregend schnell ein und grinst frech.

Ein erster Kontakt in Melbourne, das Players Café, eine Holzbank unter einem weißen Sonnenschirm bei knapp 30 Grad. Die Gesetze in der Szene sind archaisch. Nur Siegerinnen zählen. Auf der Tour, aber auch bei den Medien. tennis MAGAZIN ist da keine Ausnahme. Also verabredet man sich nach dem bis dato größten Erfolg mit der Stuttgarterin. Vor rund einer Stunde hat sie in der Hisense Arena, Melbournes zweitgrößtem Stadion, die frühere Nummer eins Jelena Jankovic geschlagen. Ist zum ersten Mal in ihrer Karriere in die dritte Runde eines Grand Slam-Turnieres eingezogen.

Anschließend hüpft sie so ausgelassen über den taubenblauen Court, dass der Funke zu den 10.000 Fans auf die Tribüne überspringt – alle sind begeistert von Laura aus Germany, von ihrer offensiven Spielweise, aber auch von ihrer gewinnenden Persönlichkeit.

Sie sei ja früher ein Wunderkind gewesen, beginnt man das Gespräch. „Oh Gott, mein Lieblingsthema. Dann hau’ mal rein“, sagt Siegemund und sieht skeptisch aus. Sie ist eher das, was man ein gebranntes Kind nennt. Als…

Jetzt weiterlesen für 0,41 €
Nr. 6/2016