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Therapie statt Abtreibung?

Diana Bianchi war eine Pionierin, als es darum ging, das Down-Syndrom mittels Gentests frühzeitig in der Schwangerschaft zu diagnostizieren. Nun sucht sie nach einer Behandlung im Mutterleib.

LEONARD GRECO
von
Bonnie Rochmann
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Den Chromosomen-Fehler, der für das Down-Syndrom verantwortlich ist, entdeckte vor einem halben Jahrhundert Jérôme Lejeune. Der Franzose, gestorben im Jahr 1994, war ein streng gläubiger Katholik und entsetzt, als ihm klar wurde, dass sein Fund zu vorgeburtlichen Tests und Abtreibungen führen würde. Seiner Meinung nach ging es vor allem darum, die Betroffenen zu behandeln. Und er war sich sicher, dass eines Tages eine Therapie gefunden würde. „Wir werden diese Krankheit besiegen“, schrieb Lejeune. „Dazu wird viel weniger intellektuelle Anstrengung erforderlich sein, als man braucht, um einen Mann auf den Mond zu schicken.“

Vor dem Büro von Diana Bianchi, der bekanntesten auf Neugeborene spezialisierten Genetikerin in den USA, hängt nicht zufällig ein gerahmter Brief von Lejeune. Gefeiert wird die 60-jährige Direktorin des Mother Infant Research Institute am Tufts Medical Center in Boston für ihre Rolle bei der Entwicklung von nicht-invasiven pränatalen Tests. Diese Bluttests, an denen sie forscht, sind eine verbesserte Methode zur Erkennung von genetisch bedingten Krankheiten wie dem Down-Syndrom. Der Defekt, auch als Trisomie 21 bekannt, gilt als der verbreitetste genetische Geburtsfehler mit Auswirkungen auf die geistige Leistungsfähigkeit. Laut den Berechnungen von Bianchis Forschungsinstitut für Schwangerschafts- und fötale Medizin wurden seit 2011 mehr als zwei Millionen dieser neuen Tests vorgenommen.

Das Verfahren ist sehr genau und kann das Down-Syndrom schon…

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Nr. 3/2016