Lesezeit 11 Min
Wissen

Psychotherapie ohne Wartezeit

Online-Therapien können Menschen mit depressiven Verstimmungen und anderen psychischen Problemen helfen – zu Hause am Computer. Immer mehr Studien zeigen, dass sie nicht minder wirksam als Sitzungen beim Therapeuten sind. Wie funktioniert das? Unsere Autorin hat sich behandeln lassen. 

Photographee.eu/shutterstock.com
von
Susanne Donner
Lesezeit 11 Min
Wissen

Die Zeiten, in denen psychisch Kranke ihren Therapeuten zum Gespräch treffen mussten, sind vorbei. Im Netz kursieren Dutzende von Universitäten und Firmen entwickelte Online-Kuren. Viele Anbieter versprechen schnelle Genesung, nur ein paar Klicks entfernt. Das klingt angesichts der mehrmonatigen Wartezeiten auf einen Therapietermin erst mal verlockend. Aber können Online-Therapien wirklich helfen? Und wenn ja, wie sorgfältig gehen sie auf die Probleme der Patienten ein, wie wirksam sind sie, und wo sind ihre Grenzen?

Am 19. Mai 2014 entscheide ich mich zu einem Selbstversuch: für eine Online-Therapie gegen Niedergeschlagenheit. Ich bin zwar weder depressiv noch sonst psychisch therapiebedürftig. Aber hin und wieder fühle ich mich durchaus gestresst und wenig unternehmungslustig. Das Internet-Programm Get.on Stimmung der Universitäten Lüneburg und Amsterdam ist genau das, was ich suche: Ein Präventionsprogramm, das einer Depression vorbeugen soll. Vielleicht hilft es auch mir, schwierigere Momente zu meistern. Forscher prüfen die Therapie gerade in einer klinischen Studie. Wenn sie hilft, könnte sie eines Tages kommerzialisiert werden. Ich bewerbe mich um eine Teilnahme an der Studie.

Ich weiß aus vielen klinischen Studien, dass solche Online-Therapien prinzipiell recht wirksam sein können. Ergebnisse zahlreicher Untersuchungen mit insgesamt weit mehr als 3000 Teilnehmern zeigen, dass sie besonders gegen leichte und mittelgradige Depressionen und Angsterkrankungen wie Flugangst und Spinnenphobie helfen. Depressive Symptome nehmen ab…

Jetzt weiterlesen für 0,49 €
Nr. 7/2015