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Technik

Mehr Input

Mithilfe von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz versprechen immer mehr Unternehmen, eine Art Turbogang für Schulen und Universitäten zu schaffen. Aber ist mehr Technik in der Bildung tatsächlich die Lösung?

Durch Aleutie / Shutterstock
von
Wolfgang Stieler
und
Boris Hänßler
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Technik

In 500 Schulen in China messen Forscher der Jiao Tong University Shanghai mit Kamera und Software, ob sich die Kinder langweilen. An der Software mitgearbeitet hat das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). „Im Fokus der chinesischen Kollegen steht, welche Lernkompetenzen ein Kind hat, wie es seine Aufgaben löst und was ihm Schwierigkeiten bereitet“, sagt Christoph Igel vom DFKI in Berlin. Sobald die Gesichtserkennung registriert, dass ein Kind gelangweilt aussieht, bekommt es auf seinem Rechner neue Aufgaben zugewiesen. Ist das Kind hingegen überfordert, erhält es vom System weitere Hilfsangebote. „Methoden der künstlichen Intelligenz können in solchen Fällen eine Unterstützung ermöglichen, die Lehrer sich in großen Schulklassen ohne Technik niemals leisten könnten“, sagt der Leiter des Educational Technology Lab in Berlin.

Was Igel nüchtern als „adaptive Lernsoftware“ beschreibt, ist der neuste Schrei in einem Sektor, der sich stürmisch entwickelt: „EdTech“, kurz für „Educational Technologies“. War Bildung lange Pflicht und Privileg staatlicher Institutionen, schießen hier mittlerweile Hunderte von privaten, gewinnorientierten Start-ups aus dem Boden, vom YouTube-Erklärer über Online-Kursangebote renommierter Universitätsdozenten – und eben bis hin zum vollautomatischen Tutor auf der Basis von künstlicher Intelligenz. Ob bei dieser digitalen Umwälzung der Bildung die Vorteile oder die Nachteile überwiegen, ist noch völlig unklar. Sicher…

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Nr. 10/2017