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Technik

Können Maschinen rassistisch sein?

Intelligente Algorithmen können uns Menschen viele lästige Entscheidungen abnehmen. Doch das kann auch zu drastischen Auswirkungen auf die Betroffenen führen. Können wir die Vorteile der neuen Technologie nutzen, ohne uns ihrer Gnade auszuliefern?

MATHIS REKOWSKI
von
Eva Wolfangel
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Technik

Je mehr Margarine US-Bürger essen, umso mehr Menschen lassen sich im US-Staat Maine scheiden. Steigt der Käsekonsum, sterben mehr Menschen daran, dass sie sich in ihrem Bettzeug verheddern. Und parallel zum Erscheinen eines Films mit Nicolas Cage ertrinken verstärkt Menschen nach einem Sturz in einen Pool.

Offensichtlicher Unfug? All diese seltsamen Zusammenhänge, die der Harvard-Student Tyler Vigen auf seiner Internetseite „Spurious Correlations“ zusammengetragen hat, sind „statistisch signifikant“. Das heißt, die Daten passen so gut zusammen, dass rein statistisch eigentlich kein Zufall möglich ist. Und alle diese Zusammenhänge haben Computer gefunden, schreibt Vigen in seinem gleichnamigen Buch. Die Software nimmt einen Datensatz und vergleicht systematisch, ob sich ein anderer Datensatz mathematisch genauso verhält.

Jeder Mensch sieht auf den ersten Blick, dass es keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Scheidungsrate und dem Käseverbrauch gibt. Das kleine Problem ist: Eine Maschine erkennt das nicht. Dennoch fällt sie auf der Basis von Mustern in Daten Entscheidungen. Entscheidungen, die für Menschen existenzielle Auswirkungen haben können – beispielsweise ob sie einen Kredit oder einen Job bekommen oder eine Grenze überqueren dürfen. „Im 21. Jahrhundert haben wir es mit Maschinen zu tun, die handeln. Maschinen, die in Zukunft beispielsweise entscheiden, wer eingestellt oder wer als Terrorist verdächtigt wird“, warnt die US-amerikanische…

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Nr. 1/2016