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Technik

Kamera mit Blick fürs Böse

Ein weltweit einzigartiges Überwachungssystem will Täter schon vor der Tat durch ihr Verhalten entlarven.  

Vasin Lee/shutterstock.com
von
Joseph Scheppach
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Technik

Kurz vor Mitternacht in einer Amsterdamer U-Bahn-Station, die als problematisch gilt und besonders überwacht wird: Zwei Jugendliche bewegen sich mit geballten Fäusten auf einen Mann zu. Sie wollen handgreiflich werden, doch plötzlich ertönt eine Lautsprecherstimme: „Ich sehe, was Sie tun. Hören Sie sofort auf.“ Erschrocken rennen die Angreifer davon.

Das Beispiel ist fiktiv – aber vielleicht nicht mehr lange. Vorausschauendes Eingreifen, um Gewalt zu verhindern, könnte an öffentlichen Plätzen bald alltäglich werden. Denn Forscher entwickeln derzeit ein weltweit einzigartiges Überwachungssystem, das nicht nur Videos liefert, sondern automatisch Alarm schlägt, wenn sich eine Person auffällig verhält. „Unsere intelligenten Kameras können gleichsam Gedanken lesen“, sagt Dariu Gavrila von der Universität Amsterdam. Mit seiner Apparatur zum „Predictive Policing“ („vorhersagende Polizeiarbeit“) will der Informatiker bisherige Überwachungskameras übertreffen: Während herkömmliche Systeme eine Gewalttat erst dann erfassen, wenn sie schon passiert ist, soll das neue, intelligente Kamerasystem schon im Vorfeld erkennen können, ob sich jemand anschickt, gewalttätig zu werden. Immerhin rund 4,5 Millionen Euro pumpte die EU in das Projekt ADABTS. Das Kürzel steht für „Automatische Erkennung von abnormen Verhaltensweisen und Bedrohungen in überfüllten Räumen“. Es soll helfen, jene Myriaden von Bildern auszuwerten, die Überwachungskameras in Smart Cities liefern, um für…

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Nr. 6/2015