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Technik

Glanz und Elend von VR-Filmen

Filme waren die populäre Kunstform des 20. Jahrhunderts. Kommt virtuelle Realität als Nächstes?

SCREENSHOTS AUS: NOTES ON BLINDNESS VR/ARTE CREATIVE/YOUTUBE
von
Ty Burr
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Technik

Würden Sie sich Casablanca in der virtuellen Realität anschauen? Die Frage klingt albern. Aber sie ist nützlich, um zu zeigen, warum VR niemals klassische Filme ersetzen wird.

Die meisten von uns würden wohl gar nicht mehr aus Rick's Café herauskommen. Wir würden bei Sascha an der Bar stehen oder bei Sam herumhängen, wenn er As Time Goes By noch einmal spielt. Das zentrale Liebesdrama zwischen Rick und Ilsa würden wir wahrscheinlich gar nicht mitbekommen. Regisseur Michael Curtiz hat mit seinem Team eine so spannende Welt geschaffen, dass wir zufrieden wären, sie zu erkunden – bis wir irgendwo an Wände stoßen wie Jim Carrey in der Truman Show. Genauso würden wir bei Citizen Kane wohl vor allem in dem Keller voller Andenken herumstöbern oder bei Der Pateim verwunschenen Haus von Don Corleone.

VR wird niemals das neue Kino, sondern etwas vollkommen anderes. Aber was genau? Und wird das auf lineare Erzählungen trainierte Publikum es mögen?

Jahrelang stand VR für schlechte Bildqualität und Übelkeit. Aber nun endlich kommen VR-Brillen auf den Markt, mit denen den Nutzern nicht mehr schlecht wird. Bildkünstler, Spieleentwickler und Filmemacher loten aus, was sich mit ihnen anstellen lässt. Die naheliegendste und am weitesten fortgeschrittene Entwicklung findet im Spielebereich statt, weil die Erforschung einer fiktionalen Welt immer schon Gegenstand von Videospielen war.

Aber auch erzählerische VR-…

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Nr. 5/2017