Lesezeit 9 Min
Technik

Einmal Gott sein: 150 Dollar

Amerikanische Firmen verkaufen günstige Kits, mit denen man zu Hause Bakterien gentechnisch verändern kann. Wir haben ausprobiert, wie einfach es wirklich ist.

JÜRGEN LÖSEL
von
Jens Lubbadeh
Lesezeit 9 Min
Technik

Die Pipette in meiner gummibehandschuhten Hand zittert leicht. Ich bin ein bisschen nervös, denn jetzt kommt der kritische Teil des Experiments. Noch einmal kontrolliere ich, ob alles richtig vorbereitet ist: Die fünf kleinen Kunststoffbehälter, unter Biologen Eppendorf-Tubes genannt, stehen geschlossen nebeneinander in einer grünen Halterung. Darin: Die Darmbakterien, die ich zuvor mit einer kleinen Öse von der Petrischale gekratzt und in Flüssigkeit gebracht habe. Neben den „Eppis“ stehen drei Röhrchen. Zugeschraubt – das Herzstück des „DIY Bacterial Gene Engineering CRISPR Kit“ der Firma Odin. Sie enthalten das kostbare genetische Material, unsichtbar, gelöst in einem kleinen Tröpfchen Flüssigkeit. Dieses fremde Erbgut will ich in die Bakterien schmuggeln und so das Erbgut der Einzeller verändern. Wenn alles klappt, werden sie gegen das Antibiotikum Streptomycin resistent sein, was ihnen normalerweise den Garaus machen würde. Ich verändere Erbgut mit einem Do-it-yourself-Kit für 150 Dollar, mit dem jeder einmal Gott spielen kann. Und wenn dieses Experiment gelingt, wenn ein Laie wie ich derart einfach das Erbgut umschreiben kann, wo sind dann noch die Grenzen? Wandert die Gentechnik aus den abgeschotteten Hightech-Laboren in die unkontrollierbare Welt der Garagen und Heimwerker – mit allen Konsequenzen für Mensch und Umwelt? Ich will wissen, ob die Furcht berechtigt ist.

Ich kontrolliere noch mal die Volumenangabe auf meiner Pipette. Sie…

Jetzt weiterlesen für 0,46 €
Nr. 5/2017