Lesezeit 15 Min
Wissen

Die Siedler von Utopia

2024 will das Raumfahrtunternehmen SpaceX die ersten Menschen zum Mars bringen – ohne Rückticket. Wie wäre es, dort zu leben? Das Tagebuch eines Pioniers.

NASA/ KSC
von
Christian Honey
Lesezeit 15 Min
Wissen

Hebrus-Valles-Marsbasis, Mercurii, 11 Karka, Marsjahr 221

Liebe Schwester,

wir sind jetzt seit zehn Monaten auf dem Mars, und noch immer habe ich mich nicht an den Darischen Kalender gewöhnt, der hier die Tage zählt. Ich möchte ihn dir kurz erklären: Der Kalender beginnt im Geburtsjahr des Astronomen Johannes Kepler vor 222 Marsjahren. Mercurii ist unser vierter Wochentag. Bis auf zwei haben alle Marsmonate 28 Sol, wie wir die Marstage nennen. Das sind 669 Sol pro Marsjahr (687 Erdentage), die auf 28 Monate verteilt sind. Der Karka ist der sechzehnte. Bei euch ist heute Sonntag, der 25. Januar 2026. Winter in Berlin! Mein Gott, würde ich gern den Schnee fühlen.

Bei uns ist gerade Herbst. Auch der Mars hat seine Jahreszeiten, schließlich reist auch er geneigt auf seiner Achse um unsere Sonne, mit 25,19 Winkelgrad sogar etwas stärker als die Erde. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt bei uns minus 60 Grad Celsius. Im Winter fällt die Temperatur schon mal unter minus 100 Grad, und im Hochsommer, wenn die Sonne senkrecht auf uns scheint, steigt sie bis auf 30 Grad plus. Heute Abend sind es minus 35 Grad.

Unsere Station liegt inmitten der Ebene Utopia Planitia, etwa 1100 Kilometer west-südwestlich des toten Vulkans Elysium Mons. Im Jahr 1978 ist nördlich von hier der Lander der Viking-Sonde gelandet und hat erste Bilder vom Mars zur Erde geschickt. Vor Jahrmilliarden war die Utopia Planitia vermutlich ein Binnensee. Im Jahr 2016 hat der Mars Reconnaissance Orbiter unter der Utopia Planitia riesige Vorkommen von Wassereis gefunden, so viel wie der Lake Superior in Nordamerika. Das war einer der wesentlichen Gründe dafür, warum SpaceX und die Nasa Hebrus Valles als Lande- und Erkundungszone wählten.

Vorgeschlagen hatte Hebrus Valles ein Team um Dirk Schulze-Makuch von der TU Berlin. „Die Höhlen rühren von unterirdischen Flüssen her, die dort wahrscheinlich einmal geflossen sind“, hatte er mir auf einem der vielen Vorbereitungslehrgänge erklärt. „Es könnte dort noch immer flüssiges Wasser geben und damit Mikroben, die überlebt haben.“

Auf einer…

Jetzt weiterlesen für 0,55 €
Nr. 2/2017