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Die Revolution der Reproduktion

Das Schicksal, ungewollt kinderlos zu sein, wird künftig der Vergangenheit angehören. Forscher transplantieren Fortpflanzungsorgane, arbeiten am künstlichen Uterus, züchten Spermien und Eizellen aus Hautzellen – und entwickeln sogar einen künstlichen Mutterleib.

UNIVERSITY OF CAMBRIDGE
von
Inge Wünnenberg
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In Deutschland sind 22 Prozent der Frauen zwischen 40 und 44 Jahren kinderlos, so jedenfalls die neuesten verfügbaren Zahlen von 2012. Manch eine hat sich bewusst gegen Nachwuchs entschieden. Aber die vielen anderen fragen sich: Muss das sein? Weltweit hoffen Wissenschaftler, bald eine eindeutige Antwort geben zu können – nein, sie erforschen Methoden, die weit über die künstliche Befruchtung hinausgehen. Bei Bedarf transplantieren Mediziner eine Gebärmutter oder auch einen Eierstock, damit Frauen ein Kind austragen oder Eizellen generieren können. Längst forschen sie daran, Ei- und Samenzellen aus Hautzellen zu gewinnen – und arbeiten sogar an künstlichen Fruchtblasen. Zusätzlich sollen biologische Hürden wie die Menopause bei Frauen durch spezielle Therapien zu Fall gebracht werden. Ob die Entwicklung unheimlich hilfreich oder nur unheimlich ist, wird die Zukunft zeigen. Sicher ist nur: Diese Zukunft ist näher, als viele denken.

Auf die Idee, eine Gebärmutter zu transplantieren, kam der Gynäkologe Mats Brännström ein bisschen wie die Jungfrau zum Kind. Durch eine Krebserkrankung hatte eine junge Australierin ihren Uterus verloren. Der schwedische Arzt weilte damals zu einem Forschungsaufenthalt in Adelaide, als die Frau ihn fragte, ob er ihr nicht das Organ ihrer Mutter einsetzen könne. Das war 1998. Damals wagte sich Brännström nicht an die Operation, aber der Gedanke ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Zurück in Schweden, begann er am Klinikum der Sahlgrenska Universität in Göteborg mit seinem Team, die Gebärmuttern von Mäusen, Schweinen, Schafen und schließlich – in Kenia – sogar bei Pavianen zu transplantieren. Er wollte wissen: Geht das überhaupt? Ist der Nachwuchs am Ende wirklich gesund? Die Ergebnisse waren so gut, dass er sich 2013 an die erste derartige Transplantation bei einer…

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Nr. 7/2017