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Der Mensch in der Petrischale

In den letzten Jahren ist es gelungen, nahezu jedes menschliche Organ im Miniaturformat heranzuziehen, und selbst auf Mikrochips lassen sich organähnliche Gewebe kultivieren. Das eröffnet bahnbrechende Möglichkeiten für Forschung, Diagnostik und Therapien.

REGINA HUEGLI
von
Birgit Herden
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Das neue Medikament kommt für Fabian Schuchard als Rettung in der Not: Das Atmen fällt immer schwerer, über Wochen liegt der niederländische Teenager im Krankenhaus, der letzte Ausweg scheint ein Lungentransplantat zu sein. Fabian leidet an Mukoviszidose, seine Lunge und andere Schleim häute sind mit zähem Schleim überzogen. Zwar gibt es seit Kurzem einige neuartige Wirkstoffe. Doch Mukoviszidose wird durch rund 2000 unterschiedliche Gendefekte verursacht, und der von Fabian ist einzigartig. Keine klassische Medikamentenstudie kann daher zeigen, welcher der Wirkstoffe ihm helfen könnte. Trotzdem gelingt Fabians Ärzten das scheinbar Unmögliche: Sie finden das passende Arzneimittel – und der heute 18-Jährige kann nun ein fast normales Leben führen.

Entscheidend für den Erfolg ist eine neuartige Technik, die seit einigen Jahren spektakuläre Fortschritte feiert: die Kunst, rudimentäre menschliche Organe, sogenannte Organoide, in Kulturmedien heranzuzüchten. Vor Fabians Behandlung testeten Forscher am niederländischen Hubrecht-Institut für Entwicklungsbiologie und Stammzellforschung das neue Medikament an Miniaturorganen, die alle mit Fabian genetisch identisch sind. Das Verfahren begann mit einer Gewebeentnahme im Dickdarm. Was dann geschah, mutet geradezu magisch an: Die Stammzellen aus der Darmschleimhaut teilten und differenzierten sich in dem Kulturmedium. Eingebettet in ein Gel, wuchsen sie zu sphärischen, hohlen Gebilden heran, die zwar nur einen Durchmesser…

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Nr. 1/2016