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Wissen

Wunderwerk der Natur

Als Hochleistungskuh im konventionellen Milchbetrieb – und doch zufrieden. Geht das? Besuch bei einer Holsteinerin.

DAVID CARRENO HANSEN / SPIEGEL WISSEN
von
Markus Deggerich
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Manchmal sind es die kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Und nicht die großen Fragen. Auf dem Bauernhof von Jan Christoph Halske, 36, hat der Unterschied einen Namen: Stieglitz, zum Beispiel.

Halske, blondes, nicht zu bändigendes Haar, wache kleine Augen, schiebt morgens um halb fünf als Erster seinen schmächtigen Körper im Slalom zwischen den mächtigen Kuhkörpern im Stall hindurch und abends um zehn noch mal, als Letzter. Jeden Tag. Er sagt seinen 180 Kühen und Kälbern beim Inspektionsbesuch Guten Morgen und Gute Nacht. Und er kennt sie alle beim Namen, er erkennt sie am Gesicht, ihrem Fell, ihrer Maserung, ihrem Euter und, ja, auch am Hinterteil. Wenn er die Schönheit eines Tieres beschreibt, klingt es, als spräche er über ein Gemälde. "Dieser gerade Rücken, die schöne Linie", sagt er dann. Liebe wäre vielleicht ein zu großes Wort für ihr Verhältnis. Aber Halske bringt seinen Tieren etwas entgegen, was diese ihm zurückgeben: Respekt. Sie sind nicht einfach Nummern im Computer. Sie haben Namen.

Halske ist weder ein Biopionier noch ein Tierquäler. Er will und muss Geld verdienen mit seinen Tieren. Die Bauernhofromantik aus den Bilderbüchern ärgert ihn dabei genauso wie das schlechte Image, das viele Milchbauern haben.

Rund 4,2 Millionen Milchkühe gibt es hierzulande, die Bundesrepublik ist größter Milcherzeuger der EU. Aber wie eine Kuh lebt, hängt nicht allein davon ab, ob sie in einem Großbetrieb, einem Familienbetrieb oder auf einem…

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17.10.2017