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Gesellschaft

Was hab ich falsch gemacht?

Frauen und Männer scheitern unterschiedlich - warum eigentlich?

Everett Collection/shutterstock.com
von
Tobias Rapp
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Gesellschaft

Der 3. November 2008 ist als einer der verrücktesten Tage der deutschen Politik in die Geschichte eingegangen. Eigentlich schien alles klar zu sein. Andrea Ypsilanti, die Spitzenkandidatin der hessischen SPD, stand kurz davor, sich mithilfe der Linkspartei zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen. Sogar ihr CDU-Widersacher Roland Koch, der sie lange erbittert bekämpft hatte, hatte sich damit abgefunden und bereitete seinen Rückzug vor.

Bis zu jenem Moment, als bei Ypsilanti das Telefon klingelte. Von einem Augenblick auf den anderen war alles anders: Vier Abgeordnete der SPD-Fraktion verkündeten überraschend, sie würden keine Ministerpräsidentin wählen, die auf Stimmen der Linkspartei angewiesen sei. Ypsilantis Traum war geplatzt. Sie würde Hessen nicht regieren.

Die damals 51-Jährige gab auf, bei der zügigen Neuwahl trat sie nicht mehr an - und empfahl einen Parteifreund als Spitzenkandidaten. "Die Ypsilanti machen" wurde sprichwörtlich für den jähen Rückzug nach einer schmachvollen Niederlage. Roland Koch wurde dann zwar doch wieder Ministerpräsident, aber nach einem Jahr verabschiedete er sich aus der Politik. Aus - Ende.

Menschen erleben Pleiten, weil sie Fehler machen, falsche Entscheidungen treffen, Kräfteverhältnisse nicht richtig einschätzen oder der Wähler einen anderen vorzieht. So war es auch bei Koch und Ypsilanti. Aber wie sie jeweils in ihre Niederlage hineinrutschten und wie sie dann mit ihr umgingen, das hatte…

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Nr. 1/2015