Lesezeit 11 Min
Wissen

„Warum experimentieren wir nicht mit Menschen?“

Der Ethiker Jörg Luy und der Primatenforscher Stefan Treue streiten über Tierversuche.

JAN VISMANN / SIEGEL WISSEN
von
Ann-Kathrin Müller
und
Philip Bethge
Lesezeit 11 Min
Wissen

SPIEGEL: Herr Luy, in Japan haben Forscher kürzlich Javaneraffen Nervenzellen transplantiert, die zuvor im Labor gezüchtet worden waren. Die Affen waren an Parkinson erkrankt. Nach der Transplantation konnten sie sich wieder besser bewegen.

Luy: Das klingt toll, ist es aber nicht, denn die Parkinson-Erkrankung wurde bei den Tieren künstlich verursacht. Falls Sie meine kurze ethische Einschätzung möchten: nicht akzeptabel.

SPIEGEL: Würden Sie bei dieser Einschätzung bleiben, wenn ein enger Verwandter von Ihnen an Parkinson erkrankt wäre und von der an Affen erforschten Transplantation profitieren würde?

Luy: Wir haben leider tatsächlich in der Familie einen Parkinson-Fall. Das ändert aber nichts an meiner Einschätzung. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Javaneraffen diesem Transplantationsexperiment freiwillig zugestimmt hätten, geschweige denn dem Verfahren, das sie künstlich an Parkinson erkranken lässt. Deshalb ist das Experiment ethisch nicht zulässig. Man würde solche Versuche ja auch nie an Menschen machen.

co-spwi-2017-005-0064-02-11805-bi.jpg

Jörg Luy

Philosoph, Tierarzt und Tierethiker beim Forschungs- und Beratungsinstitut für angewandte Ethik und Tierschutz Instet in Berlin.

SPIEGEL: Hat die Heilung einer Krankheit nicht einen höheren ethischen Wert?

Luy: Das ist ein ganz gefährlicher Gedanke. Wenn Sie den weiterspinnen, landen Sie irgendwann bei Menschenversuchen. Die könnten Patienten…

Jetzt weiterlesen für 0,89 €
17.10.2017