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Prügelknabe Pitbull

Das Tier als Spiegel: Wie wir andere Kreaturen behandeln, verrät immer, wie wir Menschen uns selbst – und unsere Gesellschaft – sehen.

RescueWarrior / pixabay.com
von
Arnold Arluke
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Arnold Arluke hat als Soziologe und Anthropologe das komplexe Verhältnis des Menschen zu Tieren erforscht und mehrere Bücher (etwa "Regarding Animals") darüber geschrieben. Bis zu seiner Emeritierung war Arluke, 69, Professor an der Northeastern University in Boston, Massachusetts.

Tiere sind in unserem Leben so allgegenwärtig, dass sie als Spiegel dessen dienen, was es heißt, Mensch zu sein. Sie enthüllen unsere grundlegenden Vorstellungen der sozialen Ordnung. Unser Umgang mit Tieren zeigt auf, wie es unserer Meinung nach idealerweise in der modernen menschlichen Gesellschaft zugehen müsste, und entlarvt gleichzeitig unsere Ängste und unsere Feindseligkeiten gegenüber anderen Menschen.

Die menschliche Gesellschaft hat schon lange die Bedeutung von Tieren erkannt, ob als Arbeitskräfte, Gefährten oder zum Verzehr. Vor ungefähr einem Jahrhundert begann sich die Beziehung zu Tieren zu ändern, als technische Fortschritte unserer Abhängigkeit von Arbeitstieren ein Ende setzten, die Industrialisierung der Landwirtschaft die Tierhaltung im Hinterhof ablöste und die Urbanisierung die Wildnis verdrängte. Die meisten Menschen in der modernen Gesellschaft hatten nun weniger direkte Begegnungen mit Tieren.

Dennoch ist die menschliche Interaktion mit Tieren ein zentrales Merkmal des zeitgenössischen Soziallebens:

  • Tiere werden als Nahrungsmittel genutzt, zur Bekleidung und zum Transport;
  • sie werden für den Eigenbedarf und…
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Nr. 5/2017