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Mister Crazy

Er schätzt wilde Ideen, Naivität und Whiskey-Dunst. Der Harvard-Lehrer David Edwards ist ein genialischer Grenzgänger zwischen Technologie und Kunst.

Nikolay Litov / shutterstock.com
von
Johann Grolle
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Nein, da sei kein Zucker drin, sagt David Edwards und hebt den silbernen Behälter vom Tisch: „Das ist der Lautsprecher meines Geruchstelefons.“ Seit Jahren werkelt der Unternehmer, Erfinder und Harvard-Professor daran, der Nase den ihr gebührenden Platz in der digitalen Welt zu schaffen. Jetzt endlich sei das Produkt marktreif, sagt er höchst zufrieden und schraubt den Behälter auf. „Ende April werden wir es in New York vorstellen.“

Unter dem Deckel kommen drei Düsen zum Vorschein, die Duftstoffe versprühen können. „Sehen Sie, ich wähle auf meiner App einen Geruch aus“, sagt Edwards und tippt zur Demonstration den Button „Sonnencreme“ auf dem Bildschirm seines Telefons an, „und jetzt riechen Sie.“ Tatsächlich weht einen Moment lang eine Ahnung von Strand durch den Raum.

Gerüche per SMS versenden – natürlich weiß Edwards, dass manch einer diese Idee für verrückt halten wird. Aber gerade das gefällt ihm, „crazy“ ist eines seiner Lieblingswörter. Er kann sich Spinnereien leisten – spätestens seit sich seine erste Firma für 114 Millionen Dollar verkauft hat. Edwards, 54, ist Ingenieur, er hat angewandte Mathematik studiert. Doch das ist Vergangenheit. Die ungebändigten Locken, der struppig-graumelierte Bart und vor allem seine überschwängliche Art signalisieren, dass er sich schon lange nicht mehr als Techniker, sondern als Künstler versteht.

Nahe des Tech Square im US-Universitätsstädtchen Cambridge, wo sich die Startup-Szene…

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Nr. 2/2016