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„Keine Zeit mehr zum Ausflippen“

Gegen ADHS werden häufig Tabletten verschrieben. Doch nun zeigen Studien, dass Sport unruhige Kinder aufmerksam und ausgeglichen machen kann.

KATRIN BINNER / SPIEGEL WISSEN
von
Julia Koch
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Eric sei ein Flitzer, sagt seine Mutter: "Der hat keinen Dimmer, bei ihm gibt es nur an oder aus." Seine Hausaufgaben macht der Achtjährige mal im Stehen, mal im Liegen - nur nicht am Schreibtisch. "Das kann er nicht", sagt die Mutter. Wenn es gar nicht geht mit den Schularbeiten, dann zieht er Jacke und Schuhe an und flitzt eine Runde ums Haus.

Louis, neun, ist ebenfalls ein bewegter Junge. Er rennt zehn Kilometer in weniger als einer Stunde, sein Vater fährt dann mit dem Rad nebenher. Im Garten der Familie steht ein großes Trampolin zum Austoben nach der Schule. "Stillsitzen geht für Louis nicht", sagt seine Mutter.

Das aber sollen Louis, Eric und vier andere Jungs an diesem Mittwoch versuchen: einfach mal ruhig sitzen, und zwar auf Holzbänken in einer Turnhalle der Hochschule Fulda. Nicht zappeln, nicht plappern, nicht rangeln. Damit das klappt, hat Sportpädagogin Gudrun Ludwig Studenten zwischen den Kindern platziert - ein Kind, ein Student, sechs Paare. Die Kinder, alles Jungs, scharren zwar ein wenig mit den Turnschuh-Füßen und schaukeln hin und her. Doch als eine Studentin ihnen die erste Aufgabe erklärt, kriegen sie mit, worum es geht. Jeder von ihnen soll einen Luftballon nehmen und sich damit zur Musik bewegen, die gleich in der Halle erklingen wird. Die Kinder sollen sich darauf konzentrieren, dass der Ballon nicht zu Boden fällt.

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Nr. 2/2015