Lesezeit 11 Min
Wissen

Großer Schwarm

Von der Intelligenz der Bienen können sich die Menschen einiges abschauen. Der US-Forscher Tom Seeley hat Erstaunliches darüber heraus - gefunden, wie ein Bienenvolk Entscheidungen trifft.

BRIAN FINKE / SPIEGEL WISSEN
von
Johann Grolle
Lesezeit 11 Min
Wissen

Hinten, am kleinen Weiher, da blüht etwas. Tom Seeley weiß das, ohne nachzusehen. Schließlich studiert er seit 40 Jahren die Sprache der Bienen.

"Hier unten, wo es am meisten wimmelt, ist ihre Jobbörse", sagt der Forscher. "Da holen sich die Arbeiterinnen ihre Aufträge ab." Im Moment tänzeln gerade vier oder fünf der heimkehrenden Bienen aufgeregt in einer Richtung, die "Nordwest" bedeutet. Im Nordwesten also, wo der kleine Fischteich liegt, haben sie offenbar eine reichhaltige Futterquelle aufgespürt.

Seeley ist der weltweit vielleicht bedeutendste Bienenforscher. In einer Baracke am Rand des Universitätsstädtchens Ithaca im US-Bundesstaat New York hat er sich sein Reich eingerichtet. Hier kann er ungestört in die Welt der Bienen eintauchen.

Hinter dem Schotterplatz, auf dem die Fahrzeuge stehen, hat er seine Bienenstöcke aufgestellt. Weitere Völker wohnen in Schaukästen im Haus. In die Wand sind Rohre eingelassen, durch die die Bienen Zugang zu ihrem Nest haben. Jedes Insekt ist mit einer bunten Nummer markiert. So können Seeley und seine Mitarbeiter die Aktivität jedes einzelnen Tiers verfolgen und protokollieren.

co-spwi-2017-005-0050-01-10010-bi.jpg

Mit einem Smoker nähert sich Seeley einem Bienenstock.

Oben krabbeln die Ammen über die Waben und füttern die Larven mit Honig. Unten, auf dem Tanzplatz, tauschen sich Pollen- und Nektarsammlerinnen aus. Probleme gibt es derzeit mit der Königin. "Sie haben sie getötet", berichtet eine von Seeleys Doktorandinnen bekümmert. Es…

Jetzt weiterlesen für 0,90 €
Nr. 5/2017