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Grimm auf Meister Isegrim

In Deutschland leben wieder Wölfe – ein großer Erfolg für den Naturschutz. Doch Anwohner, Bauern und Schäfer fürchten das Raubtier. Zu Recht?

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von
Julia Koch
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Dieser Wolf ist nicht gefährlich. Trotzdem steht er in einem gläsernen Käfig. Denn hier, im Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover, stellen ihm die Menschen nach.

"Erst hatten wir den Wolf nur mit einer roten Kordel geschützt", erzählt Christiane Schilling, Kuratorin für den Bereich Naturkunde. "Aber es kamen immer wieder Eltern, die ihre Kinder fürs Foto auf seinen Rücken setzen wollten." Die Rede ist von Niedersachsens einstigem "Problemwolf", der hier seit Mai zu besichtigen ist: ausgestopft und mit bernsteinfarbenen Glasaugen.

Das Exponat soll lange halten. Es ist das Herzstück einer Wanderausstellung über die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland. Von Hannover wird sie weiterziehen durch Niedersachsens Wolfsgebiete, nach Lüneburg, ins Emsland und dann nach Cuxhaven. "So können wir noch etwas Gutes daraus machen, dass das Tier getötet werden musste", sagt Biologin Schilling.

Denn dies ist der erste in staatlichem Auftrag erschossene Wolf, seitdem die Raubtiere vor knapp 20 Jahren begonnen haben, sich wieder breitzumachen in einem Land, in dem Jäger und Viehhalter schon einmal nicht eher ruhten, bis das letzte Exemplar erlegt war. "MT6" nannten ihn die Forscher, die ihm ein Senderhalsband umgeschnallt hatten. "Kurti" heißt er unter Tierschützern, die sein Ende noch heute beklagen.

Die Auseinandersetzung um MT6 ist ein Lehrstück für das Ringen um den richtigen Umgang mit dem Rückkehrer Wolf. Was als Siegeszug des Naturschutzes begann, das zeigt sich an ihm, droht zur Zerreißprobe für ebendiesen zu werden. Am Umgang mit dem Wolf wird sich weisen, ob die Deutschen bereit sind für einen pragmatischen Artenschutz.

MT6 war jung und neugierig. Immer wieder streifte er durch die Dörfer rund um seine Heimat, den Truppenübungsplatz Munster, er soll einer Mutter mit Kinderwagen nachgelaufen sein und einen…

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Nr. 5/2017