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Gehirnjogging

Was, wenn beim Sport nicht nur die Muskeln wachsen, sondern auch das Gehirn? Könnte das gegen Demenz oder Depressionen helfen? Forscher suchen nach Antworten

JOHANN SEBASTIAN HÄNEL / SPIEGEL WISSEN
von
Eva-Maria Schnurr
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"Willst du noch eine?", fragt Andreas Becke. Max nickt, und Becke schaltet das Laufband eine weitere Stufe hoch: Es mahlt jetzt mit 17 Stundenkilometern, die Schritte hämmern. Becke schaut auf die Kontrollmonitore. Der Puls ist auf 198, bei 200 beginnt die Anzeige rot zu blinken, "noch eine Minute", ruft Becke. Puls jetzt bei 201, er bremst das Band ab und lässt seinen Probanden locker auslaufen. "Wie stark war die Belastung für dich auf einer Skala von eins bis zehn?", will Becke wissen. Max, noch immer die Maske für die Atemgasmessung auf dem Gesicht, streckt acht Finger in die Luft.

Bis vor vier Monaten hat Max, Student der Sozialwissenschaften, überhaupt keinen Sport gemacht. Dann begann der 22-Jährige, dreimal wöchentlich eine Stunde lang zu trainieren. Inzwischen kann er sich bis auf Tempo 17 steigern - mehr, als die meisten Hobbyläufer schaffen. Seine Kondition ist mächtig gewachsen. Und auch Teile seines Gehirns könnten sich durch die körperliche Belastung vergrößert und ihre Leistung gesteigert haben, vermutet Becke. Er ist Sport- und Neurowissenschaftler und Doktorand am Institut für kognitive Neurologie und Demenzforschung am Universitätsklinikum Magdeburg.

Viele Forscher sind heute überzeugt, dass Bewegung auch dem Kopf guttut: Sie schützt offenbar vor Demenz und psychischen Erkrankungen wie Depression. Bei Demenz könnte Bewegung eine der wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen sein - neben dem Essen von viel Obst und Gemüse, Nichtrauchen und geringem Alkoholkonsum, das zeigte eine Langzeitbeobachtung aus Wales. Und bei Menschen, die bereits an leichten Erinnerungsproblemen, an Depressionen oder Angsterkrankungen leiden, können gezielte Trainingseinheiten anscheinend die Symptome lindern.

Doch noch sind entscheidende…

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Nr. 2/2015