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Die Rindfleisch-Revolution

Forscher züchten Burger im Labor. Kann das schmecken?

hansbenn / pixabay.com
von
Christian Schweppe
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Um kurz nach elf betritt der Professor das Labor, in dem die Zukunft der Menschheit tiefgefroren in Plastikzellen lagert. Er blickt auf die Mikroskope und Spezialinkubatoren, die einzigen im Land, 37 Grad Innentemperatur, Zellfabriken. Daneben reihen sich Reagenzgläser, Glasplättchen und Messbesteck.

Der Professor öffnet eines der Kühlfächer: Die Zukunft ist eiskalt und liegt in gelblich-faseriger Masse. Es sind Fleischkulturen, die er selbst gezüchtet hat. Stammzellen vom Rind, künstlich vermehrt zur Superbulette.

Die Kulturen sollen die Fleischproduktion revolutionieren, günstig sein und sauber, den Hunger der Welt stillen und das Ende der Ökonomie unserer modernen Fleischindustrie einläuten. Wenn es nach Professor Mark Post geht, hat die Zukunft längst begonnen.

Das Ziel seiner In-vitro-Forschung ist radikal: Die Produktion von Fleisch soll nicht länger an das Töten von Tieren gekoppelt werden. Tatsächlich braucht man kein ganzes Tier, um ein Stück Laborfleisch zu bekommen. Denn tierisches Muskelgewebe kann auch außerhalb des Körpers wachsen. Die Forschung an "cultured meat" ist zur modernen Fleischfrage geworden. Es geht darum, wie der Mensch künftig leben will, was er essen wird.

Anthropologen verknüpfen bisher den Fleischkonsum des Menschen fest mit seiner Entwicklungsgeschichte, als Kulturtradition des Homo sapiens. Aber genau diese Tradition ändert sich gerade, was beispielsweise die beträchtliche Zahl der…

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Nr. 1/2017