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Gesellschaft

"Die Liebe ist eine Kletterpartie"

Nicht gleich aufgeben! Der Paartherapeut Guy Bodenmann erklärt, wie man seine Partnerschaft erfolgreich durch die Mühen des Alltags führt.

JAN PHILIP WELCHERING / SPIEGEL WISSEN
von
Angela Gatterburg
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Gesellschaft

SPIEGEL: Herr Bodenmann, wie gut sind Paare auf das Abenteuer Beziehung vorbereitet?

Bodenmann: Das variiert sehr stark. Es gibt Paare, die sich sehr gewissenhaft auf ihre Beziehung vorbereiten, Ratgeber lesen oder sogar einen Partnerschaftskurs besuchen. Sie möchten möglichst alles richtig machen. Die Mehrheit der Paare sieht zu Beginn jedoch wenig Bedarf und begibt sich relativ unvorbereitet auf den gemeinsamen Weg.

SPIEGEL: Sehen Sie dabei Unterschiede zwischen Männern und Frauen oder auch zwischen älteren und jüngeren Paaren?

Bodenmann: Frauen bemühen sich insgesamt mehr um Partnerschaftsbelange und Beziehungspflege als Männer. Jüngere und ältere Paare unterscheiden sich wenig voneinander. In der Verliebtheitsphase sehen sie einfach keine Notwendigkeit, etwas präventiv für die Partnerschaft zu tun.

SPIEGEL: Unterschätzen die Menschen die Mühe, die es kostet, eine Beziehung lebendig zu halten?

Bodenmann: Ja, viele denken, dass die Liebe ein Selbstläufer ist. Sie hoffen, immer auf der Liebeswelle surfen zu können, und beachten zu wenig, dass die anfängliche Euphorie meist nach kurzer Zeit der Ernüchterung und Monotonie des Alltags weicht.

SPIEGEL: Woran liegt das?

Bodenmann: Beziehungsarbeit, das klingt unromantisch, und tatsächlich glauben viele Menschen, dass sie nichts für die Liebe zu tun brauchen, oder sie wissen einfach nicht, was konkret sie für den Erhalt tun könnten.

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Nr. 5/2016