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Wissen

In der Zeit gefroren

Was lässt uns altern? Die Frage treibt Richard Walker seit 50 Jahren um. Heute studiert er dazu Menschen, die scheinbar immer Kind bleiben.

RYAN DAVID BROWN / SPIEGEL WISSEN
von
Annette Bruhns
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Als am 28. Oktober 2005 seine Frau ihn rief, arbeitete Richard Walker gerade am Schreibtisch seines Hauses in Indian Rocks Beach. Hinten am Steg dümpelte müßig seine Jolle, während Walker sich mit seiner Lebensfrage abplagte: Warum, zum Teufel, altern wir? "Rich, komm sofort! Auf NBC läuft etwas, das musst du sehen!"

Der Sender zeigte ein Mädchen, das aussah wie ein sechs Monate altes Baby, obwohl es schon zwölf Jahre alt war – bei einer Größe von 30 Zentimetern und einem Gewicht von sieben Kilogramm. Brooke Greenberg hieß die Kleine; ihr Arzt erklärte, Brooke sei einzigartig: "frozen in time" – in der Zeit gefroren.

Richard Walker war schlagartig klar, dass dieses Kind sein wichtigstes Beweismittel werden könnte. Seine Gene könnten belegen, was er seit Jahrzehnten ergründete: die Ursache des Altwerdens. Die Frage hatte ihn rastlos durch die Vereinigten Staaten getrieben. Bis hierher nach Florida, wo Walker ein höchst aktives Rentnerleben führte.

Der Mann ist heute fast 80. Er hat tiefbraun gebrannte, sehnige Gliedmaßen, trägt Poloshirt und Shorts und könnte für 60 durchgehen. "Ich weiß, warum wir altern", sagt er selbstsicher. Trotzdem steht er immer noch unter Strom, muss immer noch forschen und publizieren. Inzwischen hat er nicht nur Brooke Greenberg untersucht, sondern ein gutes Dutzend weiterer "Babys auf Lebenszeit".

Denn noch fehlt Richard Walker der letzte Trumpf. Das letzte Puzzlestück, das aus seiner Theorie über das Altern eine Tatsache machen würde. Er glaubt, dass wir altern,…

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Nr. 3/2017