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Der Gesundheit entgegenwandern

Es tut ihnen gut, sich nicht zu schonen: Im Rheinland trainieren 19 Krebspatienten für den Jakobsweg.

MICHAEL ENGLERT / SPIEGEL WISSEN
von
Laura Backes
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Noch keine zehn Minuten ist die Wandergruppe losgelaufen, da fragt Katja Werz eine der Erfahrenen neben sich etwas verschämt: "Sind Sie auf dem Jakobsweg Gott begegnet?" Die beiden Frauen gehen einen Moment wortlos nebeneinander her, den Wanderstock fest im Griff. "Ich bin nicht gläubig, aber merkwürdige Zufälle gab es schon", antwortet die Befragte und erzählt von dem leeren Akku ihres Handys, der plötzlich wieder aufgeladen war, als sie ihren Mann anrufen wollte.

Katja Werz hatte Brustkrebs. Im Sommer 2013 entdeckt die große schlanke Frau den kleinen Knoten in der rechten Brust. Sie weiß, worauf sie achten muss, wenn sie sich abtastet, hat sich informiert, weil ihre Freundin einige Jahre vorher die Diagnose Brustkrebs bekommen hatte. Wenn die Freundin von der Chemotherapie geschwächt war, kümmerte sich Werz um die Kinder.

"Von damals wusste ich, dass mich das alles nicht gleich ins Grab bringt", sagt sie. Sechsmal geht sie zur Chemo, es folgen OP und Reha. Seit Juli arbeitet sie wieder, in der Kommunikationsabteilung eines Unternehmens in Bonn, 30 Stunden pro Woche. Ihre dunklen Locken sind schon wieder so lang, dass sie unter der blau gemusterten Pudelmütze hervorquellen.

An einem Samstag im Januar trifft sie zum ersten Mal auf die anderen Frauen und Männer, mit denen sie für den Jakobsweg trainiert. Einige kennen sich, umarmen sich, Werz und die anderen Neuen stellen sich schüchtern vor. Etwas verbindet die 19 Menschen…

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Nr. 2/2015