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Das Meer wird leer

Der Dorschbestand in der deutschen Ostsee schrumpft. Die Gründe? Darüber streiten Betroffene und Experten. Der Fischer Randy Repenning aber kämpft um seine Existenz.

LARS BERG / SPIEGEL WISSEN
von
Marianne Wellershoff
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An der Ostmole von Strande gibt es einen schaukelnden Lichtfleck, es sind die Lampen von Randy Repennings rot-weißem Kutter SK2, der sich, noch fest vertäut, schon mal warm tuckert. Das Meer bäumt sich schwarz hinter der Kaimauer, es ist ziemlich windig und kalt, 3.50 Uhr morgens, vier Grad Celsius. Später soll es noch regnen, Sturmböen sind angekündigt. Da draußen in der Kieler Förde liegen zwei Kilometer Netze, und die muss Randy jetzt einholen. Wie fast jeden Morgen.

Schwer vorzustellen, dass das ein Traumberuf sein soll. Randy sagt, er sei schon als Kind mit seinem Vater hinausgefahren, für den sei der Fischfang aber nur ein Nebenerwerb gewesen. "Das hätte ich auch so machen können, wenn ich gewusst hätte, was ich sonst tun sollte", sagt Randy. Er redet bedächtig und langsam, so wie man hier oben an der Küste spricht. Erst denken, dann reden. "Eigentlich wollte ich das schon immer machen."

Randy ist gelernter Fischer, er hat ein Kapitänspatent und einen eigenen Kutter, den er noch abbezahlen muss. 23 Jahre ist Randy alt, 40 Jahre wird er also mindestens noch arbeiten müssen bis zur Rente, und da wäre es gut, wenn er einen Beruf mit Zukunft hätte. Aber das mit der Zukunft wird schwierig, denn der Dorsch in der westlichen Ostsee ist selten geworden. Gestern Nacht hat Randy nur 30 Kilogramm gefischt, 15 bis 20 Dorsche schätzungsweise. "Normal wären 100 Kilo", sagt er, "aber das Wasser war so komisch bräunlich."

Liegt es wirklich nur am Wasser? Wie steht es um den Gadus morhua, wie der lateinische Name des Ostseedorschs lautet? Hier in den Fanggebieten 22 bis 24, also in der westlichen Ostsee vor der deutschen Küste, ist die Biomasse, wie die Fachleute die Gesamtmenge des Fischbestands nennen, in den…

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Nr. 2/2017