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Botschafter der Wildnis

Sind Zoos gut oder schlecht für Tiere? Dieser Grundsatzstreit trifft sogar einen der besten Tierparks der Welt, den Loro Parque auf Teneriffa.

GUNNAR KNECHTEL / SPIEGEL WISSEN
von
Marianne Wellershoff
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Wolfgang Kiessling wohnt im Zoo. Schon seit 45 Jahren. Seine hellgelb gestrichene Villa mit den weißen Säulen gehört zu einem Gebäudeensemble im Kolonialstil, das sich um einen kleinen Platz gruppiert. Ein großes Gehege steht hier auch noch. Das Schimpansenpärchen Laki und Juli verbringt darin sein Leben in Zweisamkeit. Laki war von der Schimpansinnengruppe nicht akzeptiert worden, nur Juli verstand sich mit ihm. Für rund 100 000 Euro hat Kiessling dem ehemaligen Tigerkäfig einen ersten Stock hinzugefügt, damit die beiden es schöner haben.

Ruhig ist es hier, abgeschieden. Was auch daran liegt, dass es diesen Ort eigentlich nicht gibt, jedenfalls nicht auf den Plänen des "Loro Parque" – jenes Tierparks, den Kiessling am Rand von Puerto de la Cruz gegründet hat, im grünen Norden von Teneriffa. So wird der 80-Jährige nicht selbst zum Ausstellungsstück für die Besucher.

Heute empfängt Kiessling seinen Besuch oben in seinem Büro. Er ist bester Laune: "Wir sind gerade bei TripAdvisor zum besten Zoo der Welt gewählt worden." 73 Prozent der Bewertungen auf der Reiseführer-Website fallen in die Kategorie "exzellent", 20 Prozent in "sehr gut".

Aus Reisebussen und der knallgelben Bimmelbahn, die der Zoo selbst betreibt, strömen jeden Morgen Tausende von Touristen zur Kasse. Im Sommer, zur Hochsaison, drängeln sich die Menschen auf den gewundenen Wegen, die den Tierpark viel größer erscheinen lassen, als er ist. Vorbei an üppig wuchernden Bäumen, Blumen…

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Nr. 5/2017