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Geschichte

„Wofür war das jetzt die Strafe?“

Woran glaubten die Menschen im Mittelalter? Und warum hielten selbst Gelehrte Wunder für real? Die Literaturwissenschaftlerin Marina Münkler erklärt, wie die Religion im Mittelalter Leben und Denken prägte.

GETTY IMAGES
von
Dietmar Pieper
und
Eva-Maria Schnurr
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Geschichte

SPIEGEL: Der Glaube spielte für die Menschen im Mittelalter eine ganz zentrale Rolle. Kann man diese Bedeutung heute noch nachvollziehen?

Münkler: Wir wissen über die Volksfrömmigkeit leider wenig, weil dafür die Quellen fehlen. Man kann aber relativ sicher davon ausgehen, dass es eine grundsätzliche Religiosität der Menschen gegeben hat. Die war allerdings zu Beginn des Mittelalters nicht im engeren Sinne christlich, es flossen sehr lange heidnische Elemente ein. Eine genuin christliche Volksfrömmigkeit lässt sich erst im 13. Jahrhundert greifen.

SPIEGEL: Was waren denn die zentralen Elemente des mittelalterlichen Glaubens?

Münkler: Jede Religion unterscheidet zwischen Immanenz, also dem, was in der Welt ist, und dem Übernatürlichen, Außeralltäglichen, der Transzendenz, die irgendwie geheimnisvoll ist und angebetet wird. Für das Christentum ist die Idee eines Schöpfergottes kennzeichnend, der sich selbst als Mensch in die Welt begeben hat. Alles ist deshalb durchwirkt von Christus.

SPIEGEL: Was hieß das konkret im Alltag? Dachten die Menschen, Gott sei ständig in ihrer Welt präsent?

Münkler: Man darf vermuten, dass die Volksfrömmigkeit allen möglichen Erscheinungen Bedeutung als Zeichen Gottes beimaß. Wenn ein Bauer einen Stein auf dem Feld fand, dann dachte er vermutlich: Den hat der Teufel dahingelegt. Oder: Damit will der Herr mir…

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Nr. 1/2015