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Geschichte

Sehnsucht nach den Dingern

In einem Fliegerhorst in der Eifel proben deutsche Piloten den Abwurf von Atomwaffen – ein Relikt ehrgeiziger Nachkriegspläne zur nuklearen Aufrüstung der Bundeswehr.

Everett Historical / Shutterstock.com
von
Matthias Bartsch
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Geschichte

Ende Mai 2015 sitzt Elke Koller wieder einmal mit einigen Mitstreitern vor dem Haupteingang des Fliegerhorsts Büchel. Sie hat sich einen Klapphocker aus Holz mitgebracht und eine Alu-Wärmeschutzdecke gegen die kühlen Regenschauer in der Eifel. Missmutig schaut die 72-Jährige in den trüben Himmel, wo ein "Tornado" des Luftwaffengeschwaders 33 gerade mit schneidendem Lärm eine Platzrunde dreht.

Koller wohnt in einem Nachbarort, etwa drei Kilometer von Büchel entfernt. Seit fast 20 Jahren protestiert die frühere Apothekerin immer wieder bei Ostermärschen, Blockaden und Demonstrationen vor den Toren des Luftwaffenstützpunkts der Bundeswehr. "Ich bin es meinen Kindern und Enkeln schuldig, etwas gegen diese Dinger da drin zu tun", sagt sie.

Diese "Dinger", das sind 10 bis 20 US-amerikanische Atombomben des Typs B61-3 und B61-4. Die Sprengkraft dieser Bauart ist variabel einstellbar, die stärksten Exemplare sollen es auf bis zu 170 Kilotonnen TNT bringen, etwa das 13-Fache des Hiroshima-Sprengsatzes.

Wie viele dieser Bomben im rheinland-pfälzischen Büchel liegen, ist streng geheim. Und eigentlich sollte es auch streng geheim sein, dass überhaupt Nuklearwaffen in den grünen Eifel-Hügeln lagern. Die Bundesregierung lässt alle Nachfragen zu diesem Thema unter Hinweis auf "Geheimhaltungsregelungen" der Nato abtropfen. Aussagen und Spekulationen zu Lagerung, Anzahl und Beschaffenheit von Nuklearwaffen würden "weder bestätigt noch…

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Nr. 4/2015