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Geschichte

„Programm der 1000 kleinen Dinge“

Die Startbedingungen der DDR-Industrie waren so schwierig, dass schon die bescheidenen Erfolge der Sechzigerjahre als sozialistisches "Wirtschaftswunder" gepriesen wurden.

By Felix O [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons
von
Michael Sontheimer
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Geschichte

Die frühen Jahre der DDR – für Gudrun Radek sind das die Erinnerungen an sorgloses Spielen in den Trümmern Berlins. Sie habe eine schöne Kindheit und Jugend gehabt, sagt die 73 Jahre alte pensionierte Lehrerin, doch manches sei auch sehr mühsam gewesen in Ostberlin. Zum Beispiel im Winter Schnittblumen zu bekommen: Als Radek, sie war damals Studentin, sich 1959 verlobte, musste die Oma aus Westberlin einspringen, um einen Blumenstrauß aufzutreiben.

Zwei Jahre später war der Hochzeitsstrauß ein Problem. Radek hätte sich Rosen gewünscht, aber die waren nicht zu kriegen. Nach langen Bemühungen konnten ihr künftiger Mann und sie einen Strauß aus Gerbera vorbestellen.

"Das war lästig", sagt Radek heute, "aber ich habe trotzdem nie darunter gelitten, dass wir nicht alles hatten, was es im Westen gab." Auch in der DDR sei es immer aufwärtsgegangen. Und ihr sei Kultur wichtiger gewesen als ein neues Auto, sagt sie. "Eine Karte für die Oper hat 10 Mark gekostet." Nicht mehr.

Wenn die Schriftstellerin Irene Böhme, geboren 1933, sich an die Jahre nach dem Krieg in Bernburg nördlich von Leipzig erinnert, sagt sie: "Es gab nichts zu essen, das Land war kaputt, die Deutschen waren schuld."

Eine bittere Zeit. Die Ausgangsbedingungen für den kommunistischen Neubeginn in der Sowjetischen Besatzungszone waren schwierig, denn Schuld und Niederlage der Deutschen hatten ihren Preis. Bis 1953 demontierten die sowjetischen Freunde alle Produktionsmittel,…

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Nr. 3/2015