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Geschichte

Die Liebe des Dr. Seltsam

Kaum ein Atomwissenschaftler war so umstritten wie der ungarisch-amerikanische Physiker Edward Teller. Er warb vehement für Massenvernichtungswaffen – und sah sich im Dienst des Weltfriedens.

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von
Hans-Ulrich Stoldt
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Geschichte

Wer den kleinen Edward erlebte, der konnte wohl denken, das Kind sei etwas zurückgeblieben. Ganz rätselhaft, warum es nicht sprechen wollte und erst im Alter von drei Jahren erste Sätze formte.

"Mein Großvater nahm auch an, ich würde ein Idiot bleiben", erinnerte sich Edward Teller später. Da war er längst einer der weltweit bekanntesten und einflussreichsten Physiker, beteiligt am Bau der ersten Atombombe und Vordenker einer noch zerstörerischeren Waffe, der Wasserstoffbombe. Ein Mann, verehrt von US-Militärs und Kalten Kriegern, gehasst von Friedensbewegten und Abrüstungsfreunden.

Er habe als Kind nicht sprechen lernen wollen, weil seine Eltern ein deutsch-ungarisches Kauderwelsch pflegten, sagte Teller. "Es war mir klar, dass diese Erwachsenen keine Ahnung hatten, worüber sie sprachen. Sie bezeichneten denselben Gegenstand einmal so und ein andermal so. Das konnte man nicht verstehen."

Anders die Welt der Zahlen, da herrscht Klarheit, die ist vernünftig: "Das Einzige, was mich als Kind wirklich interessierte, war merkwürdigerweise die Mathematik." So rechnete er oft vor dem Einschlafen – wie viele Sekunden hat ein Tag, ein Monat, ein Jahr?

1908 wurde Edward Teller in Budapest als zweites Kind eines Rechtsanwalts und einer Pianistin geboren. Die jüdische, assimilierte Familie war recht wohlhabend, einem Studium des Nachwuchses stand nichts im Wege. Auf Drängen seines Vaters befasste sich Edward zunächst mit Chemie…

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Nr. 4/2015