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Geschichte

Die Entdeckung der Zeit

Anfangs waren die Stunden eines Tages unterschiedlich lang. Dann veränderte die mechanische Uhr das Leben fundamental.

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von
Joachim Mohr
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Geschichte

„Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich’s; will ich’s aber einem Fragenden erklären, weiß ich’s nicht.“

Augustinus von Hippo (354 bis 430), Kirchenlehrer und Philosoph

Die Aufregung am Hof Karls des Großen war gewaltig. Was hatte der fränkische Kaiser im Jahr 807 vom Kalifen Harun al-Raschid aus dem Orient doch für eine aufsehenerregende Apparatur geschenkt bekommen!

Eine Zeitmaschine, schlicht ein „Wunderwerk“, „mit staunenswerter Kunstfertigkeit zusammengesetzt“, wie der Gelehrte Einhard zu Beginn des 9. Jahrhunderts in seiner Biografie über den Herrscher schrieb.

Der aus damaliger Sicht ungemein raffinierte Apparat war eine Wasseruhr: Sie zeigte die Stunden mithilfe von Bronzekugeln an, die in ein Becken fielen und dabei stets einen wunderschönen Klang erzeugten. Um zwölf Uhr mittags sprangen zwölf kleine Reiter aus zwölf kleinen Toren, die sich hinter den Figuren – wie von Geisterhand – wieder schlossen. „Aber noch viel anderes Merkwürdiges war an dieser Uhr zu sehen, was aufzuzählen jetzt zu weit führen würde“, hielt Einhard beeindruckt fest.

So etwas hatten weder Karl der Große noch sein Gefolge je gesehen.

Die meisten Menschen im Früh- und…

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Nr. 1/2015