Lesezeit 9 Min
Geschichte

Außen hui, innen pfui ...

Draußen glänzten die Schlösser, drinnen allerdings stank es bestialisch. Die Lebensbedingungen bei Hofe waren nichts für Empfindliche.

Lekies / pixabay.com
von
Christoph Gunkel
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Geschichte

Unterkunft und Versorgung

Trotz der teils größenwahnsinnigen Ausmaße barocker Schlösser war das Leben darin beengt: Einfache Dienstleute wie Bäcker, Waschfrauen, Tischler, Schneider und Köche siedelten meist außerhalb der Schlossmauern. Und längst nicht alle Höflinge lebten Tag und Nacht bei Hofe. Sogar im riesigen Schloss von Versailles konkurrierten rund tausend adelige Höflinge um nur 226 Apartments. Für die Nähe zum Sonnenkönig verzichteten viele auf Komfort. Rangniedrige Adelige hausten in zugigen Holzverschlägen, die im Grand Commun, dem Gemeinschaftstrakt des Schlosses, hastig zusammengezimmert wurden. Nicht selten führte das zu Streit und Schlägereien.

"Talente hat er nicht viele, aber 4000 Gulden sind eine schöne Summe!", kommentierte der Herzog von Württemberg einmal einen Bewerber für den Stuttgarter Hof. Einnahmen durch Ämterkauf waren bitter nötig. Die barocke Pracht war auf Pump finanziert, die Höfe horrend verschuldet. Preußens König Friedrich I. etwa war nach einem Jahr Regentschaft pleite: Die Ausgaben für opulente Staatsempfänge und rauschende Feste überstiegen die Einnahmen um mehr als das Doppelte.

Das war keine Ausnahme und zog vielerorts Hochstapler und Betrüger an, die den klammen Fürsten versicherten, nun endlich Gold herstellen zu können. Zur Abschreckung ließ Friedrich 1709 einen der erfolglosen Alchemisten an einem mit Rauschgold geschmückten Galgen aufknüpfen.

Am schwierigsten war es, die Massen bei…

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Nr. 2/2018