Lesezeit 6 Min
Geschichte

„Als wäre die Sonne vom Himmel gefallen“

Fumiko "Bun" Hashizume, Überlebende des Atombombenabwurfs auf Hiroshima, über den Horror am 6. August 1945

Everett Historical / Shutterstock.com
von
Wieland Wagner
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Geschichte

SPIEGEL: Frau Hashizume, um 8.15 Uhr am Morgen explodierte die Atombombe. Wo waren Sie damals?

Hashizume: Ich war in der Postbehörde, im zweiten Stock, etwa anderthalb Kilometer vom Zentrum der Explosion entfernt. Ich war erst 14, ging noch zur Schule. Aber es war ja Krieg, und ich musste aushelfen, Formulare für Ein- und Auszahlungen bearbeiten. Ich stand neben einem großen Fenster. Da brach ein ungewöhnlich gleißender Lichtstrahl herein, wie ein Bündel aus roten, gelben, grünen Streifen. Das sah ich einen Augenblick lang. Es kam mir vor, als wäre die Sonne vom Himmel gefallen. Dann verlor ich das Bewusstsein.

SPIEGEL: Wann wachten Sie wieder auf?

Hashizume: Das kann ich nicht sagen. Ich lag an einem Pfeiler einige Meter vom Fenster entfernt. Die Druckwelle muss mich dorthin geschleudert haben. Das Gebäude war aus Beton und Stahl, es stand noch. Aber Tische und Stühle waren zerstört. Um mich herum war es stockdunkel. Viele Angestellte waren da, aber alle waren völlig still, keiner sprach ein Wort.

SPIEGEL: Waren Sie verletzt?

Hashizume: Ich spürte, wie etwas lauwarm von meinem Kopf herunterfloss. Das war Blut. Ich wollte aufstehen, da merkte ich, dass überall Glassplitter in meinem Körper steckten. Ich hatte ja neben dem Fenster gestanden.

SPIEGEL: Konnten Sie sich bewegen?

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Nr. 4/2015