Lesezeit 12 Min
Fernweh

„Wo Europa Begann“

Die in ihre Mythen wie in einen Kokon eingesponnene Insel hat auch Seglern viel zu bieten: Strände, malerische Häfen und dann noch Knossos, wo Europa einst begann

CARL VICTOR
von
Carl Victor
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Fernweh

Wie ein Wall stemmt sich Kretas Bergwelt gegen den Meltemi. Stark gefiederte Windpfeile lassen erahnen, mit welcher Wucht er seine Wellen gegen die Küste rollt. Zeigt er, was er wirklich drauf hat, kann die Ansteuerung mancher Häfen zu einem Nervenkitzel werden. Doch so grau wie der Himmel an diesem Tag ist alle Statistik. Statt vom ‚Licht der Ägäis‘ beschienen, schält sich Gramvousa aus einer über der See hängenden Dunstglocke. Schuld ist der Südwestwind, den es um diese Jahreszeit gar nicht geben dürfte. Die Windpfeile zeigen fast ausschließlich Nordwest an. Darauf hatten wir vertraut, als wir die Südbucht von Kretas westlichem Außenposten als Ankerplatz wählten. Doch statt ablandig zu liegen, schwojt das Heck unseres Bootes nahe an einer felsigen Untiefe, die schon einem Kümo zum Verhängnis wurde. Nun loben wir jene Klippen, die uns die westliche Einfahrt vermiest hatten. An ihnen brechen sich jetzt die anrollenden Wellen und gönnen uns gerade so viel Schwell, dass wir uns darin in Sicherheit wiegen dürfen. Doch so sicher, dass wir uns zu einem Ausflug in das ehemalige Seeräubernest und zu dem darüber aufragenden venezianischen Kastell verführen lassen, fühlen wir uns nun auch wieder nicht.

Jubel, Trubel, Heiterkeit

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An der Nordwestspitze Kretas liegt die Halbinsel Gramvousa

Mit dem letzten Hauch aus West dümpeln wir an jener Tonne vorbei, die den überspülten Wellenbrecher von Chanias Hafen markiert. In der Marina finden wir einen Liegeplatz neben einer Motoryacht. Deren Besitzer ist darüber gar nicht erfreut. Doch sein Gehabe kann uns…

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Nr. 11/2017