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Time to say good bye...

Schon emotional ist die Trennung von der eigenen Yacht nie einfach. Der überhitzte Gebrauchtbootemarkt der letzten Jahre macht die Sache auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht leichter. Bleibt die Frage: Wie lässt sich die Yacht in gegenwärtig schwieriger Marktlage dennoch zufriedenstellend verkaufen?

HINNERK STUMM
von
Hinnerk Stumm
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Erst als ich bei der Übergabe in das glücklich strahlende Gesicht des neuen Besitzers schaute, war der Verkauf des Bootes für mich okay“, erzählt Ex-Eigner Gerd Jansen, der seine Dehler 36 CWS veräußerte, um sich im Alter ein kleineres, leichter handlebares Boot zuzulegen. Wohl jeder, der selbst schon mal vor der Entscheidung stand, wird das nachvollziehen können: Neben den zahllosen, schönen Erlebnissen auf der eigenen Yacht ist der Tag des Verkaufes ein besonderer Moment. Man trennt sich nicht nur vom Objekt ‚Segelboot‘, sondern oft von einem treuen Törnbegleiter. Von Sommertörns mit Freunden in den Schären über beschauliche Abende vor Anker im Cockpit „bis hin zum Aufwachsen der eigenen Kinder an Bord verbinden sich viele Erinnerungen mit der eigenen Yacht, die so Teil des eigenen Seglerlebens geworden ist“, meint Jansen. Gut vier Monate hat es gedauert, bis seine Yacht einen neuen Besitzer fand. Davor lagen Marktrecherchen sowie eine ausführliche Inseratsgestaltung mit guten Fotos, um einen vernünftigen Preis zu erzielen, das Aufarbeiten der Yacht, mehrere Besichtigungen und noch mehr Telefonate. „Am Ende fiel so auch eine Art Last ab.“

„In der Tat lässt sich eine Yacht heutzutage nicht mehr so einfach an den Mann bringen wie noch in den 90er Jahren, wo die Branche teils zweistellige Zuwachsraten verzeichnete“, sagt Jürgen Tracht, Geschäftsführer des Bundesverband für Wassersportschifffahrt (BVWW). Gegenwärtig herrsche ein Überangebot an Schiffen. „Bei gleichzeitig sinkender Nachfrage – was zu stark fallenden Gebrauchtbootpreisen führt.“ Diese Tendenz werde durch eine Überalterung im Segelsport weiter zunehmen, „da das Durchschnittsalter beim Dickschiffsegler heute bei etwa 60 Jahren liegt. Immer mehr Segler werden in den kommenden Jahren ihr Hobby aufgeben.“

Eingebrochener Gebrauchtbootmarkt

Neben Nachwuchssorgen und Überalterung spiele auch die lange Haltbarkeit von GFK-Yachten und das veränderte Freizeitverhalten eine Rolle für den überhitzten Gebrauchtbootmarkt: „Viele Segler der heutigen Generation wollen neben Segeln auch Golfen oder anderen Hobbys nachgehen,“ so Jürgen Tracht. Eine Yacht zu chartern sei da unkomplizierter und kostengünstiger, „als sich mit der eigenen Yacht einen finanziellen wie pflegeintensiven Klotz ans Bein zu binden.“

»Für Käufer gibt die Marktüberhitzung auch Chancen: Nie war der Einstieg günstiger!«

Jürgen Tracht, BVWW

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Nr. 1/2016