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Gesellschaft

Zeit der Störenfriede

Menschen, die die bestehende Ordnung infrage stellen, finden derzeit viel Gehör. Vor allem wenn sie als Unruhestifter auftreten, als Rebellen, die gegen das Establishment wüten und aufräumen wollen mit dem Bestehenden.

Frederic Legrand - COMEO / Shutterstock.com
von
Dorothee Krings
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Gesellschaft

DÜSSELDORF Die gemütlichen Jahre sind vorbei. Mit Macht hat dieses Gefühl viele Menschen in den vergangenen Monaten erfasst, unabhängig von ihrem Lebensstandard und den persönlichen Zukunftsaussichten. Terroranschläge in einst unbeschwerten Metropolen, eine Flüchtlingsdebatte mit immer radikaleren Reflexen in ganz Europa, der Brexit der Briten und ein pöbelnder Wahlkampf in den USA, der manche Messlatte des guten Geschmacks gerissen und einen Mann an die Spitze des Staates gebracht hat, der durch Derbheit auffiel. Das alles hat das Vertrauen in die gewohnte, fast nicht mehr wahrgenommene Ordnung erschüttert. Nichts scheint mehr unantastbar; die Gewissheiten von gestern kippen weg, wie die Kulissen in den aktuellen Actionfilmen, in denen Hochhauslandschaften wie Kartenhäuser zusammenfallen und einsame Helden ohne Orientierung zurücklassen.

Man kann dieses Unbehagen als German Angst abtun. Oder man sucht nach Urhebern der allgemeinen Verunsicherung. Dann landet man bei einer historischen Figur, die lange vergessen war, obwohl der Philosoph Thomas Hobbes sie schon Mitte des 17. Jahrhunderts gültig beschrieben hat: beim puer robustus, dem „kräftigen Knaben“, dem robusten Mann mit kindischem Geist, dem Unruhestifter, Halbstarken, Außenseiter, der die bestehende Ordnung angreift – beim Störenfried.

Der kann höchst unterschiedliche Gestalt annehmen: Er kann idealistischer Rebell sein, der gegen verkrustete Strukturen aufbegehrt oder plumper…

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15.11.2016