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Politik

„Wir sind nicht die Hilfstruppe für die etablierten Parteien“

Der Verfassungsschutzpräsident über fehlende V-Leute in der NPD und den Umgang mit der AfD.

De Visu / Shutterstock.com
von
Michael Bröcker
,
Martin Kessler
und
Gregor Mayntz
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Politik

DÜSSELDORF Der Geheimdienstchef hat ein Vorabkommando. Zwei Beamte inspizieren vor dem Termin mit Hans-Georg Maaßen unsere Räumlichkeiten – Fenster, Fluchtwege. Maaßen gehört zu den bestbewachten Beamten im Land. In seiner roten Mappe, die er täglich bekommt, stehen brisante Meldungen. Immer öfter Terrorhinweise. Maaßen ist ein gelassener, freundlicher Typ. Er kommt pünktlich, bestellt einen Kaffee. Wir scherzen über die Borussia aus seiner Heimat Mönchengladbach. Dann wird es ernst.

Sie vertreten einen Geheimdienst, der spätestens seit dem NSU-Skandal mit einem miesen Ruf leben muss. Kein schöner Job, oder?

MAASSEN Ich glaube nicht, dass mein Haus einen so schlechten Ruf hat. Laut Umfragen haben über 70 Prozent der Menschen Vertrauen in die Nachrichtendienste. Sie wissen, dass wir leistungsstarke Dienste brauchen. Gerade nach den Anschlägen von Paris und Brüssel ist die Sicherheitslage etwa in Stadien und U-Bahn-Stationen kritischer geworden. Die Menschen verlassen sich darauf, dass wir eine gute Arbeit machen.

Beim NSU-Skandal entstand aber der Eindruck, dass Verfassungsschützer denen zu nahe waren, die sie eigentlich beobachten sollten.

MAASSEN Das hat der Untersuchungsausschuss meinem Amt nicht vorgeworfen. Es hätte niemals passieren dürfen, dass Akten vernichtet wurden, aber diese hatten nach allem, was wir wissen, zumindest…

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28.05.2016