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Gesellschaft

„Wir leben in einer Stimmung der Gereiztheit“

Der Soziologe Heinz Bude warnt davor, auf Sorgen durch Beschwichtigung zu reagieren. Das dränge die Verbitterten ins Schweigen.

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von
Dorothee Krings
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Gesellschaft

DÜSSELDORF Heinz Bude lehrt an der Uni Kassel und beschäftigt sich mit soziologischen Phänomenen wie Angst. In seinem jüngsten Buch geht er der Frage nach, wie Stimmungen in einer Gesellschaft aufkommen und wirken.

Wie ist Ihre Stimmung?

Bude: Gut, weil die Verhältnisse für einen Soziologen herausfordernd sind. Das heißt nicht, dass ich positiv auf die Gesellschaft blickte.

Was beunruhigt Sie?

Bude: Die Auseinanderentwicklung zwischen der liberalen Idee individueller Freiheitsrechte und der demokratischen Idee kollektiver Selbstbestimmung. Wir hatten uns daran gewöhnt, dass beides zusammengehört. Doch inzwischen gibt es jemanden wie Victor Orbán in Ungarn, der sagt: Ich bin in erster Linie Demokrat, aber liberale Freiheitsrechte sind mir nicht so wichtig.

Wer bestimmt die Stimmung in einem Land ?

Bude: Dafür ist kein verborgener Akteur verantwortlich. Stimmungen sind der Rahmen für unsere Wahrnehmung und Urteilsbildung über alles, was in der Welt vorgeht. Jeder unterliegt Stimmungen. Viele glauben, sie selbst seien die Rationalen und Vernünftigen, von Stimmungen würden nur die anderen befallen, das ist eine Illusion. Außerdem haben alle Stimmungen ein Fundament in der Sache. Auch das wird oft verkannt. Stimmungen sind nicht beliebig evozierbar.

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18.01.2017