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Wir fürchten uns vor dem Falschen

Am meisten fürchten wir Terror und Gewaltkriminalität, die verhältnismäßig wenige Menschenleben kosten – im Gegensatz zu Krebs, Herzinfarkten und Stürzen. Weshalb unsere Ängste so irrational sind.

Fanette / pixabay.com
von
Tobias Jochheim
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Der Säbelzahntiger ist ausgestorben, und das nicht erst gestern. Vor mindestens 10.000 Jahren hat es das letzte Exemplar dahingerafft, doch im menschlichen Gehirn ist das noch nicht recht angekommen. Am gefährlichsten erscheint uns nach wie vor das, wovon uns bildlich vorstellen können, dass es plötzlich und blutig unser Leben beendet. Haie zum Beispiel fürchtet fast jeder mehr als Moskitos. Dabei sterben nur zehn Menschen pro Jahr durch Haie – und 700.000 durch Moskitos, die Malaria und Denguefieber übertragen.

Für Impfungen vor Tropenreisen reicht die menschliche Vernunft zum Glück trotzdem, für Alltagsgefahren allerdings „fehlt uns leider jeder Instinkt“, sagt der Risikoforscher Ortwin Renn, der das Nachhaltigkeits-Institut IASS in Potsdam leitet. Der Tod komme meist eben nicht plötzlich, sondern schleichend. Ebenso übrigens wie viele indirekte Gefahren, Altersarmut etwa oder der Klimawandel.

24 von 25 Deutschen sterben an Krankheiten, meist Krebs und Herzleiden. Und auch unter den nichtnatürlichen Todesursachen nehmen jene, an die wir sofort denken – Mord, Terrorismus, Verkehrsunfälle, harte Drogen – nur minimalen Stellenwert ein. Zu den meisten unnatürlichen Todesfällen kommt es durch Stürze im Alter und Suizide. Seit 2000 hat sich sowohl die Zahl der Verkehrstoten als auch die der bei Straftaten Getöteten halbiert. Allein: Die gefühlte Wahrheit ist eine andere.

Für zwei Drittel aller vorzeitigen Tode seien die „vier großen Volkskiller“…

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17.05.2017