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Kultur

Wer kennt diesen Mann?

Bob Dylan feiert am 24. Mai 2016 seinen 75. Geburtstag. Und noch immer ist er nirgendwo angekommen, man kann ihn einfach nicht fassen. Sein neue und umstrittene Frank-Sinatra-Hommage „Fallen Angels“ ist der Beweis. Eine Würdigung.

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von
Philipp Holstein
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DÜSSELDORF Jetzt regen sich wieder viele Menschen über Bob Dylan auf, sie mögen die neue Platte nicht, die wirklich ziemlich fürchterlich ist, aber genau dafür muss man ihn schon wieder lieben, denn heute ist sein 75. Geburtstag, und die meisten Jubilare werden in diesem Alter mit Zuneigung erstickt, sie ersaufen in Gunstbezeugungen und Liebesbekundungen. Dieser Künstler will das aber gar nicht, Einmütigkeit würde ihn umbringen: Dylan bleibt unabhängig und frei, er legt sich immer noch nicht fest, man kann ihn auch jetzt nicht fassen, und dazu darf man ihn an seinem Ehrentag herzlich beglückwünschen.

„Fallen Angels“ heißt also das neue Album von „His Bobness“, und wie auf dem Vorgänger „Shadows In The Night“ singt er Songs nach, die von Frank Sinatra berühmt gemacht wurden, dem Helden seiner Jugend. Was beim ersten Mal charmant war, weil er die Lieder mit viel Engagement vorgetragen hat, wirkt nun fad und platt, zudem muten die Arrangements an, als habe da jemand die Cowboystiefel aus- und die Pantoffeln angezogen, ein Karaokefestival der Wehmut: „Please don’t bring your lips so close to my cheek.“ Es ist alles ein bisschen klebrig, es mag einfach nicht Frühling werden auf dieser Platte.

Aber Dylan kennt den Widerspruch, er braucht ihn, und vielleicht sitzt er heute daheim und lächelt, weil er es erneut schafft, dass sich Menschen an ihm reiben und sich aufregen. Dylan irritiert. So war das auch am 25. Juli 1965, als er beim Newport…

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24.05.2016