Lesezeit 4 Min
Verbrechen

„Verzeihen können wir dem Mörder nie“

Vor zwölf Jahren wurde die Tochter von Helene und Günter Langen von ihrem Lebensgefährten ermordet. Monika war 23. Der Täter bekam lebenslänglich, könnte aber in drei Jahren frei sein. Für die Eltern ein unerträglicher Gedanke.

Markus Gann / shutterstock.com
von
Jörg Isringhaus
Lesezeit 4 Min
Verbrechen

MÖNCHENGLADBACH Immer um den Todestag ihrer Tochter Monika herum ist es besonders schlimm. In einem Jahr litt Helene Langen kurz zuvor unter Schwindel, im nächsten machte der Blinddarm Probleme, dann laborierte sie an einer Darmentzündung. Ihr Mann Günter bekommt Panikattacken und traut sich nicht, das Haus zu verlassen. Der 26. Februar 2004 hat das Leben der Langens so nachhaltig, so endgültig, so unumkehrbar aus dem Gleichgewicht gebracht, dass Normalität für die Familie nur noch ein relativer Begriff ist. An diesem Tag wurde ihre Tochter von deren Lebensgefährten ermordet. Der damals 33-Jährige hatte angenommen, sie wolle ihn verlassen, und hatte sie erwürgt. „Lebenslänglich, das gilt für uns, nicht für den Täter“, sagt Helene Langen. Denn 2019, nach 15 Jahren verbüßter Haft, kommt der Mann möglicherweise frei. „Ihm zu begegnen, vielleicht sogar an Monikas Grab, ist für uns ein unerträglicher Gedanke“, sagt Günter Langen (72).

Allerdings: Die Eltern beteuern, dass sie sich niemals den Tod des Täters gewünscht haben. „Sonst hätte er für sein Verbrechen ja nicht sühnen können“, sagt Helene Langen. Ihr komme eher die Vorstellung entgegen, dass ein lebenslänglich Verurteilter auch bis zu seinem Lebensende in Haft bleibe. Dass er wahrscheinlich wieder freikomme, ein neues Leben anfangen könne, eine zweite Chance bekäme, sei nur schwer zu verkraften. „Viele Eltern ermordeter Kinder fühlen so“, sagt Marion Waade, Vorsitzende von Anuas, einer…

Jetzt weiterlesen für 0,39 €
14.05.2016