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Wirtschaft

Sonntags gehört der Kunde mir

Der Schutz der Sonntagsruhe ist jetzt von einem Gericht in Münster gestärkt worden. Das aber ist nur ein scheinbarer Erfolg. Die Lebens- und Arbeitswirklichkeit der Menschen gehorcht längst anderen Gesetzen.

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von
Lothar Schröder
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DÜSSELDORF Erinnern wir an dieser Stelle ruhig an die heilige Notburga von Rattenberg. An die einfache Magd aus Tirol also, die sich, so sagt es die Legende aus dem 13. Jahrhundert, dem Dienstherrn keck widersetzte, als dieser ihr befahl, auch nach dem Feierabendläuten noch zu mähen. Pustekuchen. Notburga warf ihre Sichel in den Himmel, wo sie an einem Sonnenstrahl hängen blieb. Das machte so viel Eindruck, dass aus der Magd die Schutzheilige der Feierabendruhe wurde.

Diese hehre Beförderung ist seit einiger Zeit mit reichlich Arbeit verbunden. Denn von geregelter Feierabendruhe kann auch hierzulande kaum mehr die Rede sein. Allein die Debatten um den heiligen Sonntag gleichen einem Steppenbrand, der nie ganz zu löschen ist. Das jüngste Glutnest wurde jetzt in Münster ausgemacht: Dort nämlich bekräftigte das Oberverwaltungsgericht, dass sogenannte verkaufsoffene Sonntage kein Selbstzweck seien, sondern einen echten Anlass haben müssten.

Und der Jubel ist groß – vonseiten der Gewerkschaft und der Kirchen, die ohnehin seit den 60er Jahren im ungewöhnlichen Schulterschluss Feiertage zu verteidigen suchen. Der DGB-Slogan „Samstags gehört Vati mir“ wurde bald auch auf den Sonntag ausgeweitet. Während die Gewerkschaften das physische Wohl des Arbeitnehmers im Blick hatten und auf den Sonntagsschutz der Weimarer Reichsverfassung von 1919 und dessen wörtliche Übernahme ins spätere Grundgesetz verwiesen, bedenken die Kirchen eher das seelische…

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21.06.2016