Lesezeit 5 Min
Gesellschaft

Rechtsextremismus infiltriert die Mitte

Extremismus und Populismus am rechten Rand führten in Deutschland - abgesehen von gelegentlichen regionalen Phänomenen - ein Nischendasein. Das hat sich geändert. Die Mitte der Gesellschaft radikalisiert sich.

By Kalispera Dell (http://www.panoramio.com/photo/116227085) [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons
von
Birgit Marschall
und
Eva Quadbeck
Lesezeit 5 Min
Gesellschaft

Berlin Als im Sommer 2010 ein gewisser Thilo Sarrazin, Sozialdemokrat und früherer Berliner Finanzsenator, sein Buch „Deutschland schafft sich ab“ vorlegte, war die Aufregung im Land groß. Überraschend viele Menschen kauften das Buch und bekannten sich zu den Thesen, die voller ausländerfeindlicher Ressentiments, Überfremdungsangst und nationalem Chauvinismus steckten.

Warum stimmen so viele Menschen Sarrazin zu, und was ist dran an seinen Thesen? Diese Frage beschäftigte die Öffentlichkeit über Monate. Wer schon länger genauer in die politische Gemütslage der Nation hineinhorchte, musste nicht überrascht sein.

„Vorurteile, die Grundlage von rechtsextremistischen Verhaltensmustern sein können, sind in der Mitte der Gesellschaft seit Langem vorhanden“, sagte Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung. Bloß seien viele dieser Ansichten bisher nur unterschwellig geäußert worden. Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen sieht die Gefahr, dass sich dies in der Flüchtlingskrise ändert. „Wir beobachten im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, dass rechtsextremistisches Gedankengut mehr und mehr in bürgerliche Kreise hinein diffundiert“, sagte Maaßen unserer Redaktion. „Das macht uns zunehmend Sorge.“

Während rechtsextreme Agitatoren ein Fall für den Verfassungsschutz darstellen, befassten sich eine Reihe von Forschern seit Jahren damit, in welchem Umfang das Volk empfänglich ist für deren Einflüsterungen…

Jetzt weiterlesen für 0,41 €
26.02.2016