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Politik

Putins Freunde in Deutschland

Welche Konsequenzen zieht der Westen aus dem „Fall Lisa“? Intensiv arbeiten Wissenschaft und Politik an Instrumentarien, die Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch Russland aufzudecken und ihr zu begegnen.

Sergey Kohl / Shutterstock.com
von
Gregor Mayntz
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BERLIN Die Empörung eskalierte gewaltig: Kaum war im Januar die Behauptung in der Welt, ein 13-jähriges russlanddeutsches Mädchen aus Berlin-Marzahn sei von Migranten entführt und vergewaltigt worden, da schäumten die Proteste im Internet auf, gingen Russlanddeutsche in verschiedenen Städten auf die Straße, hielten „Lisa, wir sind mit dir“ in die Kameras und verlangten auch vor dem Kanzleramt mehr Schutz vor Gewalt durch Migranten. In Moskau umarmte Außenminister Sergej Lawrow alle Russlanddeutschen, als er von „unserer“ Lisa sprach, und warf den deutschen Behörden vor, den Fall angesichts ihrer „Einwanderer-Probleme“ vertuschen zu wollen.

Wie sich jedoch bald herausstellte, hatte das Mädchen die Geschichte frei erfunden und freiwillig bei einem Freund übernachtet. Dennoch hielt die Aufregung zunächst an, wurde vor allem von russischen Medien befeuert, die das Bild einer chaotischen Situation der Russlanddeutschen und der Migranten aus dem arabischen Raum zeichneten. Welche Lehren hat die Politik daraus gezogen? Die Bundesakademie für Sicherheitspolitik geht dieser Frage nun nach und stellt eine Analyse von Jakub Janda, dem Vizedirektor der tschechischen Denkfabrik „Europäische Werte“, in den Mittelpunkt.

Dieser rückt den „Fall Lisa“ in einen Zusammenhang mit einer seit Ende 2013 sehr aktiven Desinformationskampagne Russlands, die darauf gerichtet sei, den Zusammenhalt innerhalb der Nato und der Europäischen Union zu schwächen und die…

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12.05.2016