Lesezeit 5 Min
Politik

Protestwahl gegen die politische Elite

Die Wahlerfolge der AfD erklären sich aus einer tiefen Entfremdung zwischen dem Establishment und einem Teil der Bevölkerung. Was passiert, wenn diese Kluft zu groß wird, ist in anderen Ländern schon zu beobachten.

Frederic Legrand - COMEO / Shutterstock.com
von
Matthias Beermann
und
Martin Bewerunge
Lesezeit 5 Min
Politik

DÜSSELDORF Wenn man verstehen will, warum die Alternative für Deutschland (AfD) am vergangenen Wochenende bei drei Landtagswahlen teils triumphale Ergebnisse eingefahren hat und warum sie sich möglicherweise dauerhaft in der deutschen Politik etablieren wird, lohnt ein Blick in andere Länder. Und auch ein Blick zurück – ins Jahr 2008. Damals hatte sich Deutschland nach Jahren einer tiefen Rezession mit Rekordarbeitslosigkeit gerade wieder berappelt, als die Lehman-Pleite die weltweite Finanzkrise auslöste. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt hinterließ der Börsen-Tsunami zwar nur geringe Spuren. Aber in vielen anderen EU-Ländern führte er direkt in die Schuldenkrise mit schlimmen wirtschaftlichen Verwerfungen. Seither sind überall in Europa rechtspopulistische Parteien auf dem Vormarsch. Nur in Deutschland nicht – bis zum vergangenen Wochenende.

Die AfD ist, europäisch gesehen, also ein Nachzügler. Die AfD profitierte bei ihren Wahlerfolgen von einer politischen Angebotslücke: Wer mit der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel nicht einverstanden war, hatte keine andere Möglichkeit, als sein Kreuzchen bei der AfD zu machen. Aber der wahre, tiefere Grund für den AfD-Erfolg ist ein anderer: die Wut vieler Menschen auf die Eliten, auf „die da oben“. Das meint Politiker, aber auch Wirtschaftsbosse oder Medienleute. Von denen fühlen sie sich nicht ernstgenommen, ja sogar hinters Licht geführt.

Der Vorwurf ist häufig ungerecht; völlig unbegründet…

Jetzt weiterlesen für 0,41 €
17.03.2016