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Gesellschaft

Offene Gesellschaften sind verwundbar

Terroristen nutzen Freiräume der Demokratie. Doch der Rechtsstaat muss die Bürger schützen. Sonst verliert er seine Legitimation.

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von
Martin Kessler
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Gesellschaft

Die Botschaft des 1994 verstorbenen Jahrhundertphilosophen Karl Popper ist aktueller denn je. In seinem bahnbrechenden Werk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ von 1945 beschreibt er überzeugend, wie demokratische Gesellschaften von totalitären Ideologien herausgefordert und heimgesucht werden. Für Popper lag damals die größte Bedrohung in faschistischen, nationalsozialistischen und kommunistischen Heilslehren. Sie nehmen für sich in Anspruch, die einzige Wahrheit zu sein und einen Heilsplan zu entwickeln. Wer dem widerspricht, verdient nach dieser Logik die Auslöschung und Ausmerzung, im milderen Fall die Unterdrückung.

Heute geht eine ähnliche Gefahr vom totalitären Islamismus aus. Er will das Leben von „Ungläubigen“ in großer Zahl vernichten und die „dekadente“ westliche Welt und ihre Werte erschüttern. Al Kaida begründete so seinen Terror gegen die USA und die Anschläge auf das World Trade Center 2001. Heute hat der Islamische Staat Al Kaida als radikalste und gewalttätigste Organisation abgelöst. Die Rechtfertigung der Untaten blieb die gleiche.

Der Islamismus bedient sich zugleich perfide-genial der modernen Mediengesellschaft, indem er auf die weichen Ziele der offenen Gesellschaft zielt. Das erzeugt maximalen Schrecken bei vergleichsweise geringem Aufwand. Wenn Terroristen in den ungeschützten und freien öffentlichen Raum ausströmen und dort morden, erhalten sie zugleich größtmögliche Aufmerksamkeit in den Medien. Sie führen den liberalen…

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16.11.2015