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Gesellschaft

„Niemand wird als Antisemit geboren“

Juden in Deutschland sorgen sich um antisemitisch indoktrinierte Flüchtlinge und engagieren sich auch darum bei der Integration.

By Freud (Own work) [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Würzburg Auf der Suche nach der Bürotüre in einem Geschäftshaus in der Würzburger Innenstadt. Da kommt Josef Schuster mit seinem Bodyguard schon die Treppe hoch. Hier ist sein Büro als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland (ZdJ). Eine Etage höher ist seine Arztpraxis. Vier Tage pro Woche praktiziert er hier als Mediziner. Ein Funktionär mit permanenter beruflicher Bodenhaftung.

Die Zuwanderung in die jüdischen Gemeinden ist nach dem Ende der Sowjetunion abgeebbt. Wie ist jetzt die Situation der Juden hierzulande?

Schuster Seit 2005 gibt es nur noch eine geringe Zuwanderung. Und zuvor waren es viele Ältere. Uns fehlen also die jungen Erwachsenen. Das ist nicht nur ein Problem des Judentums. Wir versuchen mit speziellen Angeboten, diese Altersgruppe besser an uns zu binden. Zudem können wir davon ausgehen, dass neben den 100.000 Mitgliedern in jüdischen Gemeinden noch einmal eine nicht unerhebliche Zahl an Juden in Deutschland lebt, ohne Mitglied in einer Gemeinde zu sein. Das hat unterschiedliche Gründe.

In Berlin sind viele junge Israelis als Touristen zu sehen. Erleben Sie ähnliches auch in Ihren Gemeinden?

Schuster Israelis, die nur für eine gewisse Zeit in Deutschland leben, werden in der Regel nicht Mitglied einer Gemeinde. Viele von ihnen kennen aus Israel auch eine Gemeindestruktur nicht. Aber für jene Israelis, die auf Dauer in…

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18.05.2017