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Gesellschaft

Neu-Damaskus in Deutschland?

Die Chefin einer Berliner Denkfabrik und ein österreichischer Schriftsteller schlagen vor, dass Flüchtlinge in Deutschland ihre Heimat nachbauen. Gelingen könnte das aber wohl nur mit erheblichen Eingriffen des Staates.

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von
Bertram Müller
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Gesellschaft

Berlin Wenn es um Flüchtlinge geht, rufen die Wohlmeinenden nach Integration, die Ängstlichen nach Stacheldraht. Auf eine dritte, überraschende Möglichkeit haben jetzt in der deutschsprachigen Ausgabe von „Le Monde diplomatique“ zwei Intellektuelle hingewiesen: Ulrike Guérot, Direktorin der Berliner Denkwerkstatt „European Democracy Lab“, und der österreichische Schriftsteller Robert Menasse. Nicht nur, dass sie sich in ihrem Aufsatz für „europäische Grenzenlosigkeit“ aussprechen – sie plädieren dafür, dass Flüchtlinge in den Zufluchtsstaaten ihre Heimat nachbilden.

Sie weisen hin auf Little Italy und Chinatown in New York, auf New Hannover, New Hampshire und New Hamburg und den historischen Erfolg dieser Art von Zuwanderung: „Die Italiener haben in Little Italy ein ganzes Stadtviertel okkupiert. Niemand ist damals auf die Idee gekommen, Familien zu trennen oder in verschiedene Unterkünfte einzuquartieren oder über Familiennachzug zu feilschen. Niemand hat einen Asylbewerberstatus bekommen, staatliches Geld erhalten, wurde auf einen Sprachkurs oder gar eine ,Leitkultur’ verpflichtet. Die europäischen Flüchtlinge sind einfach in einer neuen Heimat angekommen und haben dort ihre alte Heimat nachgebaut.“

Daraus, so folgern die Autoren, könnten wir lernen. Und sie werden konkret: „Wie wäre es, wenn Flüchtlinge in Europa Bauland zugewiesen bekämen, benachbart zu den europäischen Städten, aber in einem Abstand, der die Andersartigkeit wahrt…

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29.02.2016