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Politik

Moskaus Propagandakrieg

Die angebliche, aber dementierte Vergewaltigung einer 13-jährigen Russlanddeutschen in Berlin vergiftet zunehmend die deutsch-russischen Beziehungen. Der Kreml sieht sich plötzlich als Anwalt der Aussiedler.

Nickolay Vinokurov / Shutterstock.com
von
Vassili Golod
und
Gregor Mayntz
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Politik

BERLIN Was mit dem Verschwinden einer 13-jährigen Russlanddeutschen in Berlin-Marzahn Mitte Januar begann, hat nun zu einer schweren Krise in den deutsch-russischen Beziehungen geführt. Regierungssprecher Steffen Seibert verwahrte sich entschieden gegen den Versuch, diesen Fall politisch zu instrumentalisieren, und Martin Schäfer vom Auswärtigen Amt sagte in Richtung einschlägiger Berichterstattung: „Lügen haben kurze Beine.“ Der Umgang mit Lisa F. zeigt einmal mehr die Neigung Moskaus, mit durchsichtiger Propaganda die Stimmung auch in anderen Ländern aufzumischen. Und er wirft ein besonderes Licht auf die Situation der Russlanddeutschen.

Ein Gericht wird klären müssen, was genau in jenen 30 Stunden am 11. und 12. Januar mit dem 13-jährigen russischstämmigen Mädchen geschah. Eine erste Version entfachte im Internet eine Welle von Fremdenhass, der umgehend von der NPD geschürt wurde und am Wochenende zu einer Reihe von Demonstrationen führte. Demnach soll das Mädchen seinen Eltern nach der Rückkehr erzählt haben, drei „Südländer“ hätten es auf dem Weg zur Schule am Bahnhof abgefangen, in eine Wohnung verschleppt und dort geschlagen und vergewaltigt.

Die Berliner Polizei reagierte umgehend auf die Vorwürfe im Netz und erklärte nach mehreren Befragungen und einem ärztlichen Gutachten zu möglichen Tatspuren: „Es hat nach derzeitigem Erkenntnisstand weder eine Entführung noch eine Vergewaltigung gegeben.“ Die Staatsanwaltschaft geht jedoch…

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28.01.2016