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Gesellschaft

Missbrauchte Frau erhielt Sterbehilfe

In den Niederlanden sahen Ärzte für eine junge, psychisch erkrankte Frau keine Hoffnung mehr. Der Fall ist kein Novum, aber heikel.

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von
Philipp Jacobs
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Gesellschaft

DÜSSELDORF Es ist, als habe sie nie existiert. Sie ist eine Namenlose. Eine junge Frau, zwischen 20 und 30 Jahren, habe sich im vergangenen Jahr in den Niederlanden per Sterbehilfe das Leben genommen. So steht es in der vor wenigen Tagen veröffentlichten anonymisierten Patientenakte der niederländischen Sterbehilfe-Kommission. Das Besondere an diesem Fall: Die junge Frau war nicht physisch krank. Doch ihr Leben war bis zu ihrem Freitod ein Abstieg in die Hölle.

Vor 15 Jahren wurde die junge Frau sexuell missbraucht. Von wem, das ist in den Dokumenten der Kommission nicht erläutert. Die „Patientin“, wie es in dem Bericht lediglich heißt, habe in den darauffolgenden Jahren schwere Depressionen entwickelt. Immer wieder wurde sie von Ärzten behandelt. Sie erhielt Psychopharmaka, die ihr Trauma lindern sollten. Doch ihr Zustand verschlechterte sich. Halluzinationen wurden alltäglich. Zeitweise wurde sie durch einen Katheter ernährt, weil sie in die Magersucht abglitt. Sie bekam Darmspülungen, weil ihre Verdauung durch die psychischen Belastungen kollabierte. Eine Störung des Elektrolythaushalts war die Folge.

Noch zwei Jahre vor ihrem Tod unternahmen Ärzte und Psychologen, nach einer kurzen Phase der Besserung, einen letzten Versuch, die Beschwerden der jungen Frau in den Griff zu bekommen. Sie scheiterten. „Genesung war nicht mehr möglich“, heißt es im Kommissionsbericht. Die Seele der jungen Frau verbrannte vor den Augen der Mediziner.…

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14.05.2016